Unerfüllter Kinderwunsch – das müssen Sie wissen

Unerfüllter Kinderwunsch
In meiner Praxis erlebe ich es immer häufiger, dass ein kleiner Mensch sehnsüchtig erwartet wird, und nichts geschieht. Die ersten Monate nehmen die meisten Paare diesen (normalen) Zustand auch gelassen hin. Spätestens nach einem Jahr stellt sich aber dann doch Unsicherheit ein und die quälenden Fragen erwachen:

  • „Was machen wir falsch?“
  • „Warum klappt es bei anderen und bei uns nicht?“
  • „Liegt es an mir?“
  • „Was können wir noch tun?“
  • „Was ist, wenn es nie klappt?“

Mit dieser Artikelserie möchte ich aufklären. Informieren über das Thema unerfüllter Kinderwunsch, mögliche Ursachen aufzeigen, Behandlungsmethoden erläutern und konkrete Tipps an die Hand geben.

Die Artikelserie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“ beginnt mit einer Einführung zum Thema Kinderwunsch und widmet sich den Grundlagen. Die Abläufe bei der Fortpflanzung sind recht komplex. Grundlegende Kenntnisse über die Entstehung von neuem Leben, helfen jedoch die Ursachen und Behandlungsmethoden bei Kinderwunsch zu verstehen. Deshalb möchte ich Ihnen das Wunder der weiblichen und männlichen Natur und das Wunder der Zeugung gerne näher bringen. Es folgen weitere Artikel über die Ursachen von Kinderlosigkeit, die schulmedizinischen und naturheilkundlichen Behandlungsmethoden, Ernährung bei Kinderwunsch und Tipps, die Sie bei Kinderwunsch in Ihrem Alltag umsetzen können.

Unerfüllter Kinderwunsch – ein Problem der heutigen Zeit?

Sicherlich gibt es Frauen bzw. Paare, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab jedoch, dass sich tatsächlich nur acht Prozent der Deutschen bewusst gegen ein Kind entscheiden. Häufig klappt es trotz des innigen Wunsches nicht. In Deutschland sind sechs Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. In dieser Altersgruppe entspricht das einem Anteil von 10 bis 20 Prozent. Die Tendenz ist leider steigend. Kinderlosigkeit ist ein brisantes Thema, hat es doch nicht nur persönliche, sondern im Hinblick auf die Alterspyramide auch immer mehr gesellschaftspolitische Relevanz.

Kinderwunsch – eine Definition

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt ein Paar dann als steril, wenn es innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht zur Schwangerschaft gekommen ist.

Die Grundlagen – der normale weibliche Zyklus

Weiblicher Zyklus
von Isometrik (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
Direkt zu Beginn die erste Einschränkung: DEN normalen weiblichen Zyklus gibt es nicht. Er kann von Frau zu Frau unterschiedlich sein, verläuft aber zumeist in einem Zeitraum von 23 bis 35 Tagen. Durchschnittlich ist ein Zyklus 28 Tage lang. Er beginnt mit dem ersten Tag
der Periodenblutung und endet mit dem Tag vor dem Start der nächsten Blutung. Grob lässt sich der Zyklus in drei Phasen unterteilen: Proliferationsphase / Follikelphase, Ovulationsphase und Lutealphase.

Reifungsphase / Follikelphase

Mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt die Reifungsphase der Follikel (Eibläschen). Dafür wird das follikelstimulierende Hormon (FSH) benötigt, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Die Eierstöcke beherbergen schon seit der Geburt rund ein bis zwei Millionen Eizellen. Diese werden von den sogenannten Begleitzellen umgeben. Eine Eizelle und die dazugehörigen Begleitzellen bilden jeweils einen Follikel. In jedem Zyklus reifen 10 bis 20 Follikel unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons heran. Nur ein Follikel schafft es hingegen, zum sprungbereiten Leitfollikel zu werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Mehrlinge. Hier entwickeln sich mehrere Eibläschen weiter und werden auch befruchtet. Der Einfachheit halber bleibe ich in der Darstellung jedoch bei einem Follikel. Diese Reifungsphase der Follikel dauert ca. bis zum 14. Zyklustag. Während der Reifungsphase werden in den Follikeln vermehrt Östrogene gebildet. Deshalb ist in dieser Zyklusphase der Östrogenspiegel vergleichsweise hoch. Die Östrogene sorgen dafür, dass der Schleim in der Gebärmutter immer flüssiger wird. So ist gewährleistet, dass die Spermien zur fruchtbaren Zeit optimale Bedingungen vorfinden. Der hohe Östrogenspiegel führt zudem über einen Rückkopplungsmechanismus zur Freisetzung des sogenannten Luteinisierenden Hormons (LH). Der Östrogenspiegel fällt wieder ab. LH löst um den 14. Zyklustag herum (bei einer Zykluslänge von 28 Tagen) den Eisprung aus.

Die Ovulationsphase

Auf eine LH-Spitze folgt rund 24 Stunden später der Eisprung. Der Follikel entleert sich und stößt die Eizelle aus dem Eierstock heraus. Anschließend wird das Ei vom Eileiter aufgenommen. Durch den Eileiter wird die Eizelle in Richtung Gebärmutter transportiert. Gleichzeitig öffnet sich der Muttermund ein Stück, sodass die Spermien über die Gebärmutter zur Eizelle gelangen können. Die Eizelle ist nach dem Eisprung für 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Findet innerhalb dieser Zeit keine Befruchtung statt, stirbt die Eizelle ab.

Gelbkörperphase / Lutealphase

Mit dem Eisprung beginnt die zweite Zyklushälfte und damit auch die Lutealphase. Bei einem 28-tägigen Zyklus dauert diese Phase ungefähr 14 Tage. Aus den Resten des Follikels im Eierstock entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum). Dieser produziert kleinere Mengen Östrogen und in zunehmendem Ausmaß Progesteron. Deshalb wird das Hormon Progesteron auch als Gelbkörperhormon bezeichnet. Mithilfe des Progesterons bereitet sich die Gebärmutter auf eine Einnistung einer befruchteten Eizelle und damit auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

Kommt es zu keiner Schwangerschaft, schrumpft der Gelbkörper etwa 9 Tage nach dem Eisprung und wandelt sich narbig um. Die Progesteronproduktion nimmt ab, sodass sich die oberen Schleimhautschichten der Gebärmutter lösen und es zur Regelblutung kommt. Der Zyklus beginnt von vorn.

Wenn das Ei hingegen befruchtet wurde, kommt es unter dem Einfluss des Corpus luteum zu einer Einnistung. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels übernimmt der Gelbkörper die Progesteronproduktion, bis er später von der Plazenta (Mutterkuchen) in seiner Funktion abgelöst wird. Progesteron ist für den Erhalt der Schwangerschaft von großer Bedeutung.

In allen diesen Phasen kann es zu Störungen kommen. So können Follikel unzureichend ausreifen, der Eisprung kann ausbleiben oder die Progesteronproduktion ist zu niedrig, sodass eine eventuell eingetretene Schwangerschaft nicht aufrechterhalten werden kann. Es macht also Sinn genau hinzuschauen, wo es hakt und die Behandlung dementsprechend darauf abzustimmen.

Da die Zykluslängen bei Frauen zum Teil sehr unterschiedlich sind, kann diese Tabelle helfen, die einzelnen Phasen zu unterscheiden. So können Sie schauen, wie lange die Phasen andauern und an welchen Tagen ungefähr mit einem Eisprung zu rechnen ist.

Zykluslänge26 Tage27 Tage28 Tage29 Tage30 Tage31 Tage
Erste Zyklushälfte1. bis 10. Tag1. bis 11. Tag1. bis 12. Tag1. bis 13. Tag1. bis 14. Tag1. bis 15. Tag
Zyklusmitte / Eisprung (Eisprung)11. bis 12. Tag12. bis 13. Tag13. bis 14. Tag14. bis 15. Tag15. bis 16. Tag16. bis 17. Tag
Zweite Zyklushälfte13. bis 26. Tag14. bis 27. Tag15. bis 28. Tag16. bis 29. Tag17. bis 30. Tag18. bis 31. Tag
Grundlagen – Spermienproduktion und Spermienfunktion

Zum Kinderkriegen gehören natürlich immer zwei Menschen. Deshalb wollen wir nicht nur einen Blick auf die weiblichen, sondern auch auf die männlichen körperlichen Voraussetzungen werfen.

SpermienVielleicht wird es Sie verblüffen, dass bei der Produktion der Spermien unter anderem dieselben Hormone tätig sind wie bei der Eizellreifung Frau. Die Entwicklung der Spermien findet in den Hoden statt. Bis zur vollständigen Reife verbleiben die Spermien dort. Dieser Vorgang dauert rund 72 Tage. Die fertigen Spermien gelangen dann in den Nebenhoden, wo sie vorerst gespeichert werden. Für ihre Entwicklung benötigen die Spermien zum einen Testosteron und zum anderen das uns bereits bekannte FSH.

Die Spermienbildung funktioniert nur bei Temperaturen, die unterhalb der normalen Körpertemperatur liegen. Bei einer zu hohen Temperatur wird die Bildung gehemmt oder es kommt sogar zu einer Zerstörung der Spermien. Niedrige Temperaturen können die Spermienproduktion ebenfalls negativ beeinträchtigen.

Bei sexueller Erregung werden die Spermien aus dem Nebenhoden über den Samenleiter in Richtung Harnröhre befördert. Hier werden die Samenzellen mit den Drüsensekreten aus den Samenbläschen und der Prostata vermischt. Die Samenflüssigkeit ist basisch, reich an Fruktose und verschiedenen anderen Substanzen. Die Samenflüssigkeit dient den Spermien als Energiespender und fördert zudem die Beweglichkeit der kleinen Schwimmer. Beim Samenerguss kommt es zu einem Druckanstieg in der Prostata und in der Harnröhre und in der Folge zu dem schubweisen Ausstoß des Spermas.

Pro Samenerguss werden zwei bis sechs Milliliter Ejakulat ausgestoßen. Ebenso wie bei der Frau gibt es auch beim Mann unterschiedliche Punkte, an denen eine Schwangerschaft scheitern kann. Eine Rolle spielen die Anzahl der Spermazellen, ihre Beweglichkeit, die Anzahl der normalen Spermazellen und auch die Qualität der Samenflüssigkeit. Es ist wichtig zu wissen, dass die Qualität des Spermas bei ein und demselben Mann stark schwanken kann. Man kann sagen, dass das Sperma eine Art Tagesform hat, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Auch hier lohnt es sich, in der Behandlung näher hinzuschauen. Ein schlechtes Spermatogramm ist keineswegs ein Todesurteil für eine gewünschte Schwangerschaft.

Dem Sperma und dem Spermatogramm widmet sich übrigens ein weiterer (geplanter) Teil der Artikelserie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“

Grundlagen – der entscheidende Punkt: die Befruchtung

Die Befruchtung ist der magische Moment, in dem die Samenzelle in die Eizelle eindringt Befruchtungund mit ihr verschmilzt. Die Voraussetzungen dafür haben wir bereits kennengelernt: eine befruchtungsfähige Eizelle und Spermien. Doch wie werden beide zusammengeführt? Die Samenzellen werden beim Orgasmus bzw. bei der Ejakulation des Mannes aus dem Penis in die Scheide geschleudert. Von dort machen sich die tapferen Schwimmer auf den Weg in Richtung Gebärmutter und Eileiter. Der Weg wird den Spermien durch den flüssigen Vaginalschleim erleichtert. Auch der Proviant, die Samenflüssigkeit, unterstützt die Spermien. Die Spermien passieren den Gebärmutterhals und gelangen in die Gebärmutter.

Im Eileiter bahnen sich die Samenzellen durch die Flimmerhärchen hindurch ihren Weg zur Eizelle. Nicht alle Samenzellen überstehen diesen anstrengenden Weg. Die Spermien, die es geschafft haben, müssen sich dann noch durch die Hülle der Eizelle bohren. Wenn sie es geschafft haben, landen sie in einem mit Flüssigkeit gefüllten Zwischenraum. Die Befruchtung kann erst dann stattfinden, wenn es eine Samenzelle in das Zellplasma des Zellkerns geschafft hat. Sobald Eizelle und Samenzelle miteinander verschmolzen sind, ändert sich die chemische Zusammensetzung der Eizelle, sodass das Eindringen weiterer Spermien verhindert wird. Die befruchtete Eizelle teilt sich nach einiger Zeit alle paar Stunden und wandert dann in die Gebärmutter. Nicht alle Eizellen schaffen den Weg vom Eileiter in die Gebärmutter. Wenn sie scheitern, entwickelt sich eine Eileiterschwangerschaft. Hat die Eizelle hingegen den Weg überstanden, kann die Einnistung stattfinden.

 

Ich hoffe, Sie haben nun einen Überblick über die vielen kleinen Wunder, die dann schlussendlich zu dem einen, heiß ersehnten Wunder führen, erhalten. Im nächsten Teil kümmern wir uns um die Ursachen, die einem unerfüllten Kinderwunsch zugrunde liegen können. Das Feld möglicher Ursachen ist groß. Organstörungen, Hormone, Lebensstil, toxische Belastungen – all das kann eine Rolle spielen und all das werden wir uns demnächst genauer ansehen.

Die anderen Artikel der Serie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“ finden Sie hier:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Teil 5: Die Diagnose

Wenn Sie eine persönliche Beratung zum Thema (unerfüllter) Kinderwunsch wünschen, können Sie mich gerne unter kontakt@schumann-naturheilpraxis.de kontaktieren oder mir eine Nachricht schreiben .Ich freue mich auf Sie. Beratungen sind in meiner Praxis in Herdecke (in der Nähe von Dortmund), per E-Mail oder online per Skype möglich.

Katrin Schumann

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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