Unerfüllter Kinderwunsch – Körperliche Ursachen

Körperliche Ursachen Kinderwunsch


In
Teil 1 der Serie „(Unerfüllter) Kinderwunsch  – was nun?“ haben wir uns mit den Grundlagen des Kinderkriegens beschäftigt. Wie entsteht das Wunder Leben eigentlich und welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

In Teil 2 der Serie möchte ich mich den körperlichen Ursachen widmen. Was kann dahinter stecken, wenn der Storch einfach nicht klappern möchte? Sie werden sehen, dass die Ursachen von unerfülltem Kinderwunsch ein breites und vielschichtiges Thema sind. Ursprünglich war geplant, dass die gesamten Ursachen in diesem Artikel aufgezeigt werden. Das Thema sprengt jedoch eindeutig den Rahmen, sodass ich die Ursachen nochmals unterteile in körperliche Ursachen, toxische Einflussfaktoren und Lebensstil als Ursache für Kinderlosigkeit. In weiteren Berichten und Artikeln möchte ich später einige Themen genauer beleuchten. Vielleicht interessiert Sie ein Aspekt besonders? Lassen Sie es mich gerne wissen.

Frau, Mann oder doch beide?20160409012205

Im Hinblick auf die Ursachen der Kinderlosigkeit ergibt sich ein geteiltes Bild. In 30 Prozent der Fälle ist die Ursache bei der Frau zu finden, in etwa 30 Prozent der Fälle liegt die Ursache bei ihm und zu 30 Prozent können die Ursachen bei Mann und Frau gesucht werden. Bei 10 Prozent aller Paare mit unerfülltem
Kinderwunsch ist nicht genau klar, woran es hapert. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier keine Ursache vorliegt. Sie ist einzig und allein nicht direkt zu finden.

Hormonelle Störungen bei Frauen

Störungen im weiblichen Hormonhaushalt können verschiedene Ursachen und verschiedene Folgen haben. Unfruchtbarkeit ist eine entscheidende Folge davon. Ein gestörter Hormonhaushalt kann dazu führen, dass

  • keine oder zu wenige Eizellen reifen
  • der Eisprung ausbleibt und somit keine Möglichkeit zur Befruchtung besteht
  • die Gebärmutterschleimhaut sich nicht richtig aufgebaut hat, sodass sich die befruchtete Eizelle nicht einnisten kann
  • die Beschaffenheit des Zervixschleims die Spermien daran hindert, zur Gebärmutter zu gelangen

Verursacher dieser „Hindernisse“ auf dem Weg zum Wunschkind sind häufig die Hormone Östrogen und Progesteron. Beteiligt sind zudem die Hormone LH (Luteinisierendes Hormon), FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und Testosteron. Neben den typischen Geschlechtshormonen können aber auch andere Hormone für die Unfruchtbarkeit verantwortlich sein. So beeinträchtigen sowohl Schilddrüsenstörungen als auch Insulinstoffwechselstörungen die Fruchtbarkeit. Ferner kann eine Überproduktion des Hormons Prolaktin zu Unfruchtbarkeit der Frau führen. Eine der häufigsten Erkrankungen, die mit Hormonstörungen und häufig auch mit unerfülltem Kinderwunsch einhergeht, ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom). Da das PCO-Syndrom ein sehr relevantes aber komplexes Thema ist, werde ich der Erkrankung in naher Zukunft einen eigenen Artikel widmen.

Nicht zu unterschätzen ist ferner der Einfluss von Übergewicht auf das hormonelle Gleichgewicht und die Fruchtbarkeit. Auch diesen Faktor möchte ich gerne in einem weiteren Artikel aufgreifen.

Endometriose, Myome und Co

Alle Organe, die an der Fortpflanzung beteiligt sind, können bei einer Störung zu Unfruchtbarkeit führen. So können Eileiter verschlossen, zu unbeweglich oder verwachsen sein. Dadurch ist der Transport der Eizellen zur Gebärmutter erschwert oder gar komplett verhindert. Eine solche Fehlbildung der Eierstöcke kann erworben oder angeboren sein. Nicht selten sind Schäden am Eierstock die Folge von Infektionen mit Chlamydien oder von Entzündungen. Gutartige Tumore der Gebärmutter (Myome), wiederholt auftretende Eierstockzysten oder Endometriose können ebenfalls ein Grund dafür sein, dass eine Frau ungewollt ohne Kind bleibt.

Ein Sonderfall ist die sogenannte immunologische Sterilität. Hier nimmt das Immunsystem die Eizellen als Fremdkörper wahr und attackiert sie, sodass es zu keiner Schwangerschaft kommen kann.

Ein Faktor, der häufig vollkommen zu Unrecht unbeachtet bleibt, ist das Milieu in der Scheide. Ein unfreundliches Scheidenmilieu und häufige Infektionen mit Bakterien oder Pilzen können einer Schwangerschaft dauerhaft entgegen wirken.

Dann gibt es noch Faktoren, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, an die kaum jemand denkt. Auf den ersten Blick scheinen sie überhaupt nichts mit der ganzen Thematik zu tun zu haben. Doch nicht selten sorgen auch chronische Entzündungen dafür, dass keine Schwangerschaft eintritt. Typische Entzündungsherde finden sich im Darm oder im Bereich der Zähne.

Schwindende Fruchtbarkeit im fortgeschrittenen Alter

Während früher viele Frauen das erste Kind schon mit 18 oder 19 bekommen haben, denkt heute ein Großteil der Frauen erst zwischen 25 und 35 über das erste Kind nach. Während im Alter zwischen 19 und 24 Jahren die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft in einem Zyklus noch bei 25 Prozent liegt, sind Frauen mit 35 Jahren nur noch halb so empfängnisbereit. Mit 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit in einem Zyklus schwanger zu werden nur noch bei 10 Prozent. Grund dafür ist unter anderem, dass die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke nachlässt und sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen abnimmt. Gleichzeitig steigt das Risiko für hormonelle Störungen. Übrigens nimmt auch anders als oft propagiert die Fruchtbarkeit der Männer mit dem Alter ebenfalls ab. Die Samenqualität verschlechtert sich bei Männern ab dem 35. Lebensjahr nachweislich.

Gestörte Spermienproduktion beim Mann

Beim Mann findet sich die Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit häufig bei der Spermienproduktion. Die Anzahl und die Beweglichkeit der Spermien verringern sich beim Mann unter anderem mit zunehmendem Alter. Doch es gibt weitere Gründe für eine Störung der Spermienproduktion. Dazu gehören unter anderem:

  • Infektionen (z.B. Mumps)
  • Hodenverletzungen
  • Umweltgifte (!)
  • hormonelle Störungen
  • Diabetes mellitus
  • Krampfadern am Hoden
  • Schäden am Erbgut
  • Überhitzung oder Unterkühlung der Hoden
  • Durchblutungsstörungen der Hoden

Schlechte Spermienwerte – ein Problem unserer modernen Zeit?

Eine Verschlechterung der Spermienwerte bei Männern und ein Rückgang der Spermienkonzentration

von Bobjgalindo (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

von Bobjgalindo (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

scheinen derzeit weit verbreitet zu sein. So passte die WHO ihre Spermiennormwerte im Jahr 2012 an. Während das durchschnittliche Ejakulatvolumen vorher noch bei zwei Millilitern pro Ejakulation lag, liegt der Normwert seit 2012 nur noch bei 1,5 Millilitern. Der Anteil der normal geformten Spermien muss nun nicht mehr bei 30 Prozent, sondern nur noch bei vier (!) Prozent liegen, um in die Norm zu fallen. Ebenso erschreckend ist meiner Meinung nach die Änderung der Normwerte bei dem Anteil der lebenden (vitalen) Spermien. War vor der Anpassung der Normwerte noch ein Wert von 75 Prozent normal, fallen heute auch Männer mit einem Anteil von nur noch 58 Prozent in die Norm. Die Universitätsklinik Wien beobachtete in einer Studie einen Rückgang der Spermienkonzentration um 83 Prozent in den letzten 20 Jahren. In der westlichen Welt sinkt die Spermienkonzentration pro Jahr um rund drei Prozent. Meiner Meinung nach ist eine Erklärung für diese wirklich erschreckenden Zahlen in unseren heutigen Lebensbedingungen zu suchen. Den schädlichen Einfluss, den toxische Umweltfaktoren auf die Fruchtbarkeit haben, bringe ich Ihnen im nächsten Teil der Artikelserie näher.

Die Absenkung der Referenzwerte wird vermutlich auch zur Folge haben, dass die Anzahl der Kinderlosigkeit ohne erkennbare Ursache steigen wird. Die neuen Referenzwerte entlasten somit die Männer. Ein schwieriges Thema…

Gestörter Samentransport

Doch auch wenn ausreichend Spermien gebildet werden, kann ihnen der Weg in die Samenflüssigkeit verwehrt bleiben. Beschädigte Samenleiter, Entzündungen (z. B. durch Chlamydien) und angeborene Fehlbildungen können verhindern, dass es die Spermien überhaupt vom Hoden ins Ejakulat schaffen.

Genau wie bei Frauen, kann sich auch bei Männern das Immunsystem gegen die Samenzellen wenden und diese angreifen (immunologische Sterilität).

Ohne Erektion keine Schwangerschaft

Natürlich können auch Erektionsstörungen dafür verantwortlich sein, dass keine Schwangerschaft eintritt. Ohne eine ausreichende Erektion kann der Penis nicht in die Scheide eindringen. Eventuell erschlafft der Penis vor dem Samenerguss, sodass keine Spermien in die Scheide gelangen können. Die Ursachen für Erektionsstörungen sind vielfältig. Sowohl körperliche als auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.

Hier gelangen Sie zu den anderen Artikeln der Reihe

Teil 1: Definition und Grundlagen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Teil 5: Die Diagnose

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Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Kinderwunsch haben oder sich eine persönliche Beratung zu dem Thema wünschen, können Sie mich unter kontakt@schumann-naturheilpraxis.de kontaktieren oder mir eine Nachricht zukommen lassen . Beratungen können vor Ort in meiner Praxis im Ruhrgebiet durchgeführt werden, sind aber auch online per Skype oder E-Mail möglich. Ich freue mich auf Sie!

Katrin Schumann

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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