Unfruchtbar durch Umweltgifte und Schadstoffe?

Umweltgifte schwanger Kinderwunsch
Dieser Artikel liegt mir besonders am Herzen, denn Umweltgifte und Schadstoffe spielen in unserem Leben (leider) eine immer wichtigere Rolle und beeinflussen mehr und mehr Lebensbereiche. Ein ganz großer Bereich, der durch diese Faktoren negativ beeinflusst wird, ist unsere Gesundheit. Dabei sind die Schäden, die durch Umweltgifte und Schadstoffe angerichtet werden, leider nicht immer sofort sichtbar. Da auch die entsprechenden Schadstoffe und Umweltgifte nicht immer sichtbar oder überhaupt bekannt sind, werden eventuelle Symptome nicht mit diesen Stoffen in Verbindung gebracht. So haben Umweltgifte zum Beispiel einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Endokrine Disruptoren stören das Hormonsystem

Endokrine was? Endokrine Disruptoren, auch als Xenoöstrogene bekannt, sind Chemikalien, die eine hormonähnliche Wirkung haben bzw. den Hormonhaushalt ordentlich durcheinanderbringen. Die unterschiedlichen Stoffe haben verschiedene Wirkungen. So gibt es endokrine Disruptoren, die sich ähnlich wie ein Hormon verhalten. Andere können körpereigene Hormone blockieren oder auf anderen Wegen die Menge der produzierten Hormone verändern. Mehr als 800 verschiedene zugelassene Chemikalien haben einen Einfluss auf Hormonrezeptoren, den Umbau von Hormonen oder die Produktion von Hormonen und es werden Jahr für Jahr mehr. Laut einem Bericht der WHO stehen endokrine Disruptoren in Zusammenhang mit Brustkrebs, Prostatakrebs, Diabetes, Endometriose, Übergewicht, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson, ADHS und Unfruchtbarkeit. Dabei wirken sich die Schadstoffe nicht nur negativ auf die Fruchtbarkeit der Frauen, sondern auch auf die Spermienqualität der Männer aus. Sie stören den Kalziumhaushalt der Spermien, behindern ihr Schwimmverhalten oder stören die Navigation zur Eizelle. Auch in geringer Konzentration können endokrine Disruptoren das Durchdringen der Eizelle zu einem unüberwindbaren Hindernis machen. Lange Zeit war die Forschung ausschließlich auf Östrogene bzw. östrogenähnliche Disruptoren fokussiert. Endokrine Disruptoren beeinflussen aber auch Schilddrüsenhormone. Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, sind viele Bereiche des Körpers davon betroffen.

Auswirkungen von endokrinen Disrupturen über die Lebensspanne

Auswirkungen von endokrinen Disrupturen über die Lebensspanne

Exposure to EDCs could impair the health of our children and their children.

Die Namen der endokrinen Disruptoren lesen sich eher kryptisch: Chlorparaffine, Toxaphen, Polybromierte Biphenyle, Dibenzofurane, Halogenphenole, Tributylzinnhydrid…

Doch schauen wir einmal genauer hin, wo sich die schädlichen Stoffe wirklich verbergen. Endokrine Disruptoren finden sich unter anderem im Kosmetika (sehr häufig!), Sonnenschutzmitteln, Kunststoffen, Zahnpasta, Konserven- und Getränkedosen, Thermopapier, Mixbechern, Wasserkochern, Kaffeebechern, Farben, Lacken, Medizinprodukten und natürlich auch im Essen. Exemplarisch möchte ich zwei der häufigsten Disruptoren etwas genauer beleuchten.

Bisphenol A

Bisphenol A ist ein Stoff, der zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat genutzt wird. Er findet sich in verschiedenen Alltagsgegenständen. So kann Bisphenol A beispielsweise in Babyschnullern, Plastikgeschirr, Thermopapier (z. B. bei Kassenbons) und auch in der Innenbeschichtung von Kunststoffdosen nachgewiesen werden. Innerhalb Deutschlands kommen jährlich rund 410.000 Tonnen (!) Bisphenol A auf den Markt. Tragisch ist, dass der Stoff leider nicht im Plastik bleibt. Er kann sich bei Kontakt mit Wasser oder Lebensmitteln aus dem Produkt lösen und gelangt so in den Körper. Bereits in winzigen Mengen greift die Substanz in unseren Hormonhaushalt ein. Frühreife Kinder, eine Reduzierung der Spermienzahl, und eine beeinträchtigte Sexualentwicklung sind die Folgen dieses Eingriffs in das Hormonsystem. Warum Bisphenol A dann immer noch nicht verboten ist? Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen weisen seit Jahren auf die Gesundheitsgefährdung hin. Alle Studien, die von der Industrie mitfinanziert oder durchgeführt wurden, geben hingegen Entwarnung. Wer behält nun Recht? Immerhin ist BPA in Babyflaschen in der EU seit 2011 verboten. Doch leider bleibt uns Bisphenol A zum Beispiel in Konservendosen erhalten. So sind mittlerweile zwei von drei Lebensmittel-Konservendosen mit dem Schadstoff belastet.

Phtalate – Gefährliche Weichmacher

Phtalate werden Kunststoffen beigemischt, um diese elastisch, weicher und biegsamer zu machen. Die Weichmacher stecken zum Beispiel in PVC-Bodenbelägen, Vliestapeten, Kunstleder, Spielsachen und Isolationen von Kabeln. Der Anteil von Phtalaten in diesen Produkten beträgt zwischen 10 und 50 Prozent. Allein Westeuropa produziert pro Jahr eine Million Tonnen Phtalate. Sieben der Weihmacher wurden von der Europäischen Union als besonders gefährlich eingestuft. Sie schädigen die Fortpflanzungsorgane, wirken giftig auf die Hoden und verringern die Spermienqualität. Ebenso wie Bisphenol A verbleiben auch die Phtalate nicht im Produkt. Sie dünsten ständig aus und gelangen so in die Umwelt oder in den menschlichen Körper. Leider hilft auch gutes Durchlüften nichts. Phtalate dünsten über Monate oder Jahre aus. Als Faustregel gilt: Erst wenn ein Kunststoffprodukt porös ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich im Produkt keine oder nur noch wenige Weichmacher verbergen. Phtalate gelangen aber auch über die Nahrung in den menschlichen Körper. Während der Verarbeitung oder durch die Verpackung kommen die Lebensmittel mit den Weichmachern in Berührung. Insbesondere in fetthaltigen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise in Nüssen oder Keksen, können sich die Weichmacher hervorragend anreichern. Zwar dürfen mittlerweile drei Weichmacher in der Produktion von Spielzeug und Babyartikeln nicht mehr genutzt werden, sie finden sich aber noch in zahlreichen anderen Alltagsgegenständen. Eine BUND-Studie zeigte, dass Kindergärten in Deutschland immer noch hochbelastet sind.

Störungen der

weiblichen Fortpflanzung

Endokrine Disruptoren
Vorzeitige Pubertät Bisphenol A, Zigarettenrauch,

Pestizide, Phthalate, Phytoöstrogene

Unfruchtbarkeit Bisphenol A, Zigarettenrauch, Insektizide (DDT), PCB, DES
Fehlgeburt, Wachstumsstörungen in der Schwangerschaft, frühzeitige Geburt BPA, Pestizide wie DDT und DDE, Glyphosat, DES
PCO-Syndrom BPA
Myome der Gebärmutter BPA, Phytoöstrogene, DDT, DES, PCB, Dioxine
Endometriose Organochlor-Stoffe, Pestizide wie DDT und Methoxychlordioxin, PCB, DES
Erschwertes Stillen Atrazin, DDT, DDE, PCB
Brustkrebs mehr als 200 Chemikalien, DDT, Atrazin, DES, BPA, Zigarettenrauch
Sichere Dosen? Leider nicht.

Immer wieder werden Sie lesen, dass es Grenzwerte in der EU gibt und diese in der Regel auch nicht überschritten werden. Das ist vermutlich richtig, sodass Sie in der EU bestenfalls kein Produkt erhalten, das die BPA-Grenzwerte oder andere Grenzwerte überschreitet. „Die Dosis macht das Gift“ ist der Gedanke, der hier hintersteckt. Die Theorie der Toxikologie geht davon aus, dass eine Schädigung umso wahrscheinlicher und umso größer ist, je höher die Dosis der Exposition ist. Ein Grenzwert für eine Substanz besagt also, dass es aller Voraussicht nach zu keinem Schaden kommt, wenn das Produkt genutzt wird. Doch was passiert, wenn wir nicht nur ein oder zwei Produkte nutzen? Endokrine Disruptoren finden sich in unserer Umwelt überall, sodass wir am Tag seltenst nur mit einer Schadstoffquelle in Kontakt kommen. Hier kommt es zum sogenannten „Cocktail-Effekt“. Die Folgen dieses Gift-Cocktails können nicht vorhergesagt werden. Doch das ist nicht das einzige Problem bei den Grenzwerten. Ist es bei einigen Substanzen tatsächlich so, dass geringere Dosen kaum zu Problemen führen, haben kleine Dosen der endokrinen Disruptoren oft gravierende Wirkungen. Die körpereigenen Hormone liegen selbst in kleinsten Mengen im menschlichen Körper vor. Ist es da verwunderlich, dass kleinste Verschiebungen dieses Wunderwerk stören?

Was tun?

Die Lösung ist so eindeutig, aber so schwer umzusetzen. Natürlich sollten sämtliche endokrine Disruptoren im Idealfall streng gemieden werden. Doch realistisch betrachtet ist das kaum möglich. Ein geschärftes Bewusstsein für die Problematik ist aber ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der BUND hat die ToxFox-App auf den Markt gebracht, mit der Pflege- und Kosmetikprodukte direkt im Laden gescannt und auf hormonell wirksame Inhaltsstoffe geprüft werden können.

Beim Kauf von Plastikprodukten sollten Sie darauf achten, dass diese BPA-frei sind. BPA und Weichmacher in Konservendosen können nur umgangen werden, wenn Sie auf Konserven verzichten. Bohnen, Linsen, Kichererbsen und viele andere Konservenprodukte sind in getrockneter Form erhältlich und können selbst zuhause gekocht werden.

Weitere Artikel aus der Reihe „Unerfüllter Kinderwunsch – Was nun?“ finden Sie hier:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen 

Teil 4: Unfruchtbar durch Unter- oder Übergewicht

Teil 5: Die Diagnose

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Sollten Sie weiteren Beratungsbedarf zum Thema Kinderwunsch haben, können Sie mich gerne kontaktieren. Beratungen können sowohl vor Ort in meiner Praxis in Herdecke als auch online über Skype erfolgen.

Katrin Schumann

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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