Diagnose bei unerfülltem Kinderwunsch

Diagnose Kinderwunsch

Wie Sie in den vorherigen Artikeln bereits gesehen
haben, sind die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch sehr vielschichtig. Nicht selten gibt es nicht nur den einen Grund, sondern die Kinderlosigkeit ist vielmehr ein multikausales Geschehen. Umso wichtiger ist eine ausführliche und genaue Diagnose.

Die Wahl der richtigen Praxis

Bei Fruchtbarkeitsstörungen empfiehlt es sich, sowohl beim Mann als auch bei der Frau genauer hinzuschauen. Schließlich ist Ihr Wunschkind keine Einzelleistung, sondern ein Gemeinschaftsprojekt 😉 Wenn Sie in gynäkologischer Behandlung sind, können Sie Ihren Frauenarzt bzw. Ihre Frauenärztin auf den Kinderwunsch ansprechen. Möglicherweise finden sich hier bereits Hinweise auf eventuelle Ursachen. In der gynäkologischen Praxis können auch die Hormonwerte im Blut bzw. im Speichel (wenn Ihre Gynäkologin / Ihr Gynäkologe dafür aufgeschlossen ist) bestimmt werden. Für die Untersuchung des Mannes sind urologische oder andrologische Praxen zuständig. Mittlerweile gibt es in den meisten Städten Spezialpraxen, Kliniken und Kinderwunschzentren, die sich ausschließlich der Beratung und Behandlung von Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch widmen. Auch hier werden entsprechende Diagnosemöglichkeiten angeboten. Auch Heilpraktiker, die sich auf das Thema Kinderwunsch spezialisiert haben, führen eine ausführliche Diagnose durch. Diese umfasst je nach Arbeitsweise des Therapeuten neben schulmedizinischen auch naturheilkundliche Diagnoseverfahren. Bei der Wahl der richtigen Praxis helfen folgende Fragen:

  • Wie verständlich vermitteln mir meine Ansprechpartner Informationen?
  • Werde ich über alle Untersuchungen und Behandlungen ausreichend aufgeklärt?
  • Nehmen sich meine Ansprechpartner ausreichend Zeit zum Gespräch?
  • Fühle ich mich in der Praxis wohl?
  • Kann ich Vertrauen zu meinen Ansprechpartnern entwickeln?
  • Das erste Gespräch

Beim ersten Gespräch steht ihre bisherige Krankengeschichte im Mittelpunkt. Auch ihre derzeitigen Lebensverhältnisse, Ihre Beziehung und Ihre Sexualität können in diesem Gespräch eine Rolle spielen. Da alle Informationen über Sie von Relevanz sein können, ist es hilfreich, wenn Sie sich vor dem Gespräch alles notieren, was Ihnen wichtig erscheint. Diese Liste können Sie zum Erstgespräch mitnehmen. Häufig vergisst man sonst in der Aufregung, was man eigentlich so dringend loswerden wollte. Sollten während des Gesprächs Fragen auftauchen, haben Sie keine Scheu nachzufragen. Auch mögliche Ängste, Unsicherheiten und Sorgen sollten hier zur Sprache kommen. Anhand des ersten Gesprächs wird meist schnell deutlich, welche weiteren Diagnoseverfahren nötig sind.

Gynäkologische Untersuchung

Wenn die Gynäkologin / der Gynäkologe über den Kinderwunsch informiert ist, wird normalerweise eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen. Im Rahmen dieser Untersuchung macht der Arzt einen Abstrich, der dann auf Bakterien und Pilzbefall untersucht wird. Mittels Ultraschall kann der Arzt Auffälligkeiten im Bereich von Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern erkennen. Auch zyklische Veränderungen der Gebärmutter und der Eierstöcke lassen sich so beurteilen. Die Ultraschalluntersuchung ist normalerweise schmerzfrei.

Um Veränderungen in der Gebärmutter oder in den Eileitern abzuklären, können spezielle Ultraschalluntersuchungen nötig sein. So wird bei der Hysterosalpingo-Kontrastsonografie vor der Untersuchung ein Kontrastmittel gespritzt, sodass in der folgenden Untersuchung die Durchgängigkeit der Gebärmutter und der Eileiter beurteilt werden kann.

Bauch- und Gebärmutterspiegelung

Besteht nach dieser Untersuchung der Verdacht auf eine Verklebung oder einen Verschluss der Eileiter, kann der Arzt eine Bauchspiegelung empfehlen. Bei der der kleinen Operation macht der behandelnde Arzt einen kleinen Schnitt unterhalb des Bauchnabels und führt ein Untersuchungsinstrument ein. Dieses Laparoskop besteht aus einem dünnen Metallstab mit einer winzigen eingebauten Kamera. Im Rahmen der Bauchspiegelung können auch auffällige Zysten, Myome, Verwachsungen und kleine Endometrioseherde entfernt werden. Eine Gebärmutterspiegelung wird durchgeführt, um Fehlbildungen, Myome, Verwachsungen und Veränderungen der Schleimhaut in der Gebärmutter zu erkennen.

Untersuchung der Hormone

Bei endokrinologischen Untersuchungen wird die Hormonproduktion überprüft. Dafür sollten folgende Hormone im Blut gemessen werden:

  • Östradiol
  • Prolaktin
  • die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
  • Anti-Müller-Hormon (AMH)
  • Luteinisierendes Hormon (LH)
  • Progesteron

Da im Blut nur die Gesamtmenge der Hormone ersichtlich wird, empfiehlt sich ein zusätzlicher Speicheltest für die Hormone Östradiol, Progesteron und Testosteron. Im Speichel werden ausschließlich die freien Hormone sichtbar. Das sind die Hormone, die den Körperzellen auch wirklich zur Verfügung stehen.

Zyklusbeobachtung

Wertvolle Hinweise auf den eigenen Zyklus liefert die Zyklusbeobachtung. Ohne einen Eisprung kann natürlich keine Schwangerschaft entstehen. Deshalb ist es sinnvoll zu prüfen, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet. Dazu können Sie jeden Morgen Ihre Basaltemperatur messen. Dafür benötigen Sie einfach nur ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen. Die Basaltemperatur wird vaginal oder anal gemessen. Tragen Sie Ihre Werte in ein Zyklusdatenblatt ein und beobachten Sie Ihre Temperaturkurve über mehrere Zyklen, damit Sie ein Gefühl für Ihren ganz eigenen Zyklus bekommen. Besprechen Sie ihr Zyklusblatt mit Ihrem Arzt oder ihrem Heilpraktiker.

Samenuntersuchung beim Mann

In den meisten Fällen liefert die Untersuchung des Samens des Mannes entscheidende Hinweise auf eine mögliche Störung der Fruchtbarkeit. Die Samenprobe gewinnt der Mann in einem Raum der Arztpraxis oder zu Hause durch Masturbation. Anschließend wird die Samenprobe im Labor untersucht. Dabei werden die Gesamtzahl der Spermien und die Anzahl der Spermien pro Milliliter bestimmt. Darüber hinaus beurteilen die Mitarbeiter des Labors die Form der Spermien, ihre Beweglichkeit, den pH-Wert der Samenflüssigkeit und weitere Eigenschaften der Samenprobe. Die ermittelten Werte werden dann in dem sogenannten Spermiogramm dokumentiert. Bei Werten, die von der Norm abweichen, wird die Untersuchung acht bis zwölf Wochen später wiederholt. Sie sollten sich bewusst machen, dass das Spermiogramm immer nur eine Momentaufnahme ist. So bedeutet ein schlechtes Ergebnis mitnichten, dass sich Ihr Kinderwunsch nicht erfüllen lässt. Zeigen sich in der zweiten Spermaprobe wieder deutliche Abweichungen von der Norm, können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Dazu gehören zum Beispiel genetische Untersuchungen oder eine Überprüfung auf Entzündungen.

Endokrinologische Untersuchung beim Mann

Ebenso wie bei der Frau können auch beim Mann hormonelle Untersuchungen durchgeführt werden. Hier werden folgende Werte bestimmt:

  • FSH
  • LH
  • evtl. Inhibin B
  • Prolaktin
Ultraschall-Untersuchung des Hodens

Bei der Ultraschall-Untersuchung des Hodens kann der Arzt die Gewebestrukturen der Hoden und der Nebenhoden beurteilen. Darüber hinaus wird die Größe der Hoden gemessen. Ein Hodenvolumen unter 12 Millilitern kann ein Hinweis auf eine angeborene Entwicklungsstörung oder auf eine hormonelle Störung sein. Zusätzlich kann mithilfe des Ultraschallgeräts das Gefäßsystem des Hodens untersucht werden. So können Krampfadern, die sogenannten Varikozelen, die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Anhand der Untersuchungsergebnisse kann entschieden werden, ob eine Behandlung der Krampfadern nötig ist.

Die Hodenbiopsie

Wenn sich im Ejakulat nur wenige Samenzellen finden, kann anhand einer Gewebeprobe aus dem Hoden überprüft werden, ob der Hoden überhaupt Spermien produziert. Falls im Rahmen dieser Hodenbiopsie Samenzellen entnommen werden können, werden diese in der Regel direkt tiefgefroren, sodass sie für eine mögliche künstliche Befruchtung erhalten bleiben. Somit ist die Hodenbiopsie sowohl Diagnose- als auch Therapieverfahren.

Der Postkoitaltest

Falls der Mann ausreichend befruchtungsfähige Spermien produziert und die Frau einen unauffälligen Zyklus aufweist, kann der sogenannte Postkoitaltest weitere Hinweise auf die Ursachen der Kinderlosigkeit liefern. Bei diesem Test wird untersucht, ob die Spermien den Gebärmutterhalsschleim durchdringen können. Dafür wird zunächst ein bis drei Tage vor dem Eisprung die Spinnbarkeit des Zervikalschleims geprüft. Zu diesem Zeitpunkt sollte diese mindestens bei fünf Zentimetern liegen. Am Tag vor oder am Abend des Eisprungs sollte dann der Geschlechtsverkehr stattfinden. Am nächsten Morgen entnimmt der Arzt in der Praxis aus dem Gebärmutterhalskanal ein Gemisch aus dem Gebärmutterhalssekret und der Samenflüssigkeit. Dieses Gemisch wird unter dem Mikroskop auf die Anzahl, die Beweglichkeit und die Überlebensfähigkeit der Spermien untersucht. Im Idealfall sollten einige bewegliche Spermien vorhanden sein. Ein negatives Ergebnis bedeutet, das sich zu wenige befruchtungsfähige Spermien in der Probe befunden haben. Der Postkoitaltest ist eine recht einfache Untersuchung, die verschiedene Informationen bietet. Es bietet sich deshalb an, diesen Test zu Beginn der Fruchtbarkeitsuntersuchungen durchzuführen. Einige Arztpraxen greifen jedoch erst dann auf den Test zurück, wenn die anderen Untersuchungen keine Hinweise auf den Grund der Kinderlosigkeit offenbart haben.

Naturheilkundliche Diagnosemöglichkeiten

In der Naturheilkunde können verschiedene zusätzliche Verfahren zur Diagnose bei Kinderwunsch genutzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Bioresonanz oder die Kinesiologie. In meiner Praxis arbeite ich mit der Urinfunktionsdiagnostik. Diese gibt einen guten Überblick über die Funktion verschiedener Organsysteme. Auch die Hormonspeicheldiagnostik kommt bei meiner Kinderwunschbehandlung zum Einsatz. Je nach Fall können auch Untersuchungen der Vaginal- und der Darmflora weitere Hinweise auf die Ursache der Kinderlosigkeit liefern.

Möchten Sie mehr über das Thema Kinderwunsch erfahren? Die weiteren Artikel der Serie „Unerfüllter Kinderwunsch – Was nun?“ finden Sie hier im Blog:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Katrin Schumann

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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