Warum Protonenpumpenhemmer nicht die Lösung Ihres Problems sind

Protonenpumpenhemmer

 

Erst letztens habe ich ihn im TV wieder gesehen, diesen einen Werbespot eines großen Arzneimittelherstellers für einen Säureblocker. Ein Mann spaziert zu einer Wurstbude, holt sich eine Currywurst und packt sich noch bevor die Wurst verzehrt ist an den Magen und spuckt dann Feuer: Sodbrennen! Doch die Lösung ist ganz einfach „…(setzen Sie hier den Namen des Medikaments ein) bekämpft zuverlässig die Ursache von Sodbrennen.“ Ach so ist das. Das erklärt natürlich, warum ich in der Praxis immer häufiger auf Patienten treffe, die einen Säureblocker einnehmen. Neben den Statinen zur Senkung des Cholesterinspiegels (eigentlich ebenfalls einen Blogartikel wert) sind Säureblocker weltweit die am häufigsten verordneten Medikamente. Knapp drei Millionen  Tagesdosen wurden im Jahr 2012 von Ärzten verschrieben. Da die Mittel bis zu einer bestimmten Dosierung ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, ist eine Verordnung eigentlich nicht nötig, sodass die tatsächlich eingenommene Menge vermutlich noch höher ist. Säureblocker wirken als gut verträglich, magenschützend und nebenwirkungsarm. Doch ist dem wirklich so?

 

Säureblocker – was ist das eigentlich?

Mit Säureblockern, oft auch als Magenschutz bezeichnet, meint man Protonenpumpenhemmer, auch Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) genannt. Bekannte Wirkstoffe dieser Klasse sind:

  • Omeprazol
  • Esomeprazol
  • Pantoprazol
  • Lansoprazol
  • Rabeprazol

Bei diesen Substanzen handelt es sich um sogenannte Prodrugs. Das bedeutet, dass sie erst an ihrem eigentlichen Wirkort aktiviert werden. Zunächst müssen die Wirkstoffe jedoch dorthin gelangen. Da sie erst im Dünndarm aufgenommen werden, sind sie in einer magensaftresistenten Hülle geschützt. Vom Dünndarm gelangen sie über die Blutbahn zu den sogenannten Belegzellen im Magen. Die Belegzellen produzieren unter anderem Magensäure. Diese Säure aktiviert die Protonenpumpenhemmer. Sie binden sich im Bereich der Belegzellen an eine Protonen-Kalium-Pumpe und blockieren diese irreversibel. Deshalb werden Säureblocker dieser Wirkstoffgruppe Protonenpumpenhemmer genannt. Aufgrund der Blockierung wird weniger Magensäure gebildet, der pH-Wert des Magensaftes steigt und seine Aggressivität wird abgemildert.

Eingesetzt werden Protonenpumpenhemmer unter anderem bei:

Protonenpumpenhemmer sollen gegen Sodbrennen helfen.

Protonenpumpenhemmer sollen gegen Sodbrennen helfen.

  • Refluxkrankheit / Sodbrennen
  • Magenschleimhautentzündungen (Gastritis)
  • Magen- und Dünndarmgeschwüren (Ulcus ventriculi bzw. duodeni)
  • zum Magenschutz bei Dauertherapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika

Doch leider hat die Hemmung der Magensäure scheinbar ihren Preis.

Vitamin B12-Mangel durch PPI

Damit Vitamin B12 aus der Nahrung abgespalten und vom Darm aufgenommen werden kann, ist Magensäure erforderlich. Somit kann eine Hemmung der Magensäure durch Protonenpumpenblocker zu einem B12-Mangel führen. Ein unbehandelter Vitaminmangel kann neurologische Schäden, Anämien und andere Komplikationen zur Folge haben. Zu den typischen Symptomen eines Vitamin-B12-Mangels gehören unter anderem Kribbelgefühle in Armen oder Beinen, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und eingerissene Mundwinkel.  Studien zufolge kann die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren das Risiko für einen B12-Mangel um bis zu 65 Prozent erhöhen. 

Ebenso gibt es Hinweise auf einen Magnesium- und Eisenmangel in Zusammenhang mit der Einnahme von Säureblockern.

Vermehrte Knochenfrakturen bei Einnahme von Säureblockern

Insbesondere bei Langzeitanwendungen gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. So machte die US-amerikanische Food and Drug Administration schon im Jahr 2010 auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von PPI und einem erhöhten Bruchrisiko aufmerksam. Die Nurses´Health Study, die mit fast 80.000 Frauen durchgeführt wurde, beschäftigte sich weiter mit diesem Phänomen. Bei Auswertung der Studiendaten zeigte sich, dass eine regelmäßige PPI-Einnahme das absolute Risiko für eine Fraktur des Oberschenkelknochens um 35 Prozent erhöhte. Bei Raucherinnen oder Ex-Raucherinnen stieg das Risiko sogar um mehr als 50 Prozent. Je länger die Frauen das Medikament einnahmen, desto höher war ihr Risiko. Nach Absetzen der PPI dauerte es noch zwei Jahre, bis das Risiko wieder auf ein normales Niveau sank.

Der Darm in Not

Protonenpumpenhemmer hemmen zuverlässig die Säureproduktion im Magen. Doch dadurch gerät der Darm in Not. Die Magensäure ist ja nicht nur (vermeintlich) eine Ursache des lästigen Sodbrennens, sondern hat durchaus ihre Aufgaben. Eine Aufgabe ist die Abtötung von Keimen, die mit der Nahrung in den Magen gelangen. Bei einer verminderten Magensäure schaffen mehr Bakterien den Weg in den Darm. So zeigen sich bei Patienten, die PPI einnehmen, häufiger Infektionen mit Clostridium difficile. Diese können sich durch Durchfälle und Bauchschmerzen äußern. Auch in der Praxis habe ich bemerkt, dass Patienten, die Protonenpumpenhemmer einnehmen, fast alle eine Dysbiose, also eine Störung der Darmflora, aufweisen. Ich vermute, dass über diesen Mechanismus, Protonenpumpenhemmer auch Nahrungsmittelallergien fördern können. 

Protonenpumpenhemmer schädigen die natürliche Darmflora

Protonenpumpenhemmer schädigen die natürliche Darmflora

Protonenpumpenhemmer erhöhen das Risiko für chronische Nierenerkrankungen

Eine Studie der John Hopkins University in Baltimore gibt weiteren Anlass, den allzu sorglosen Einsatz von Protonenpumpenhemmern zu überdenken. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass das absolute Erkrankungsrisiko für chronische Nierenerkrankungen unter der langjährigen Einnahme von Säureblockern um rund 3 Prozent steigt. Die Beziehung war auch abhängig von der Dosis. Patienten, die zweimal am Tag PPI schluckten, hatten ein höheres Erkrankungsrisikofür ein chronisches Nierenversagen, als Patienten, die nur eine Tagesdosis erhielten.

Protonenpumpenblocker können in die Abhängigkeit führen

Ein weiteres Problem der Arzneimittel aus der Wirkstoffklasse der Protonenpumpeninhibitoren ist ihr Abhängigkeitpotential. Nach dem Absetzen des entsprechenden Medikaments bildet der Magen vorübergehend mehr Magensäure. Dieses Phänomen wird auch als Rebound-Effekt bezeichnet. Die Folge ist vermehrtes Sodbrennen, sodass viele Patienten wieder zur Tablette greifen.

Erhöhtes Krebsrisiko durch Säureblocker?

Ein Hauptanwendungsgebiet von PPI ist die sogenannte Refluxösophagitis. Hier kommt es aufgrund des Rückflusses von Magensäure zu einer Entzündung der Speiseröhre. Bei länger bestehender Symptomatik kann sich das sogenannte Barrett-Syndrom entwickeln. Es handelt sich dabei um eine chronisch-entzündliche Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut. Infolge wandelt sich das Epithel der Speiseröhre metaplastisch um. Das bedeutet, dass sich die Zellen in andere Zellformen umwandeln. Dieses Barret-Snydrom ist als Präkanzerose, also als die Vorstufe einer Krebserkrankung einzuordnen. Mithilfe der Protonenpumpenhemmer soll die gereizte Schleimhaut der Speiseröhre zur Ruhe kommen, sodass sich diese Präkanzerose nicht weiterentwickelt. Doch scheinbar können PPI genau das Gegenteil bewirken. So führt eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern häufig zu einer sogenannten Hypergastrinämie, also zu einem vermehrten Vorkommen des Hormons Gastrin im Blut. Gastrin scheint das Wachstum und die Teilung von Zellen anzuregen und somit zur Entstehung von Tumoren des Magen-Darm-Trakts sowie des neuroendokrinen Systems beizutragen.

Übersäuerung durch Säureblocker

Das klingt natürlich zunächst sehr paradox. Bei der Arbeit der Belegzellen entsteht nicht nur Salzsäure, sondern als „Abfallprodukt“ auch Bicarbonat. Dies gelangt über verschiedene Prozesse dann ins Blut und natürlich auch zu den Körperzellen. Salzsäure und Bicarbonat sind so eng miteinander verknüpft, dass durch die Hemmung der Salzsäureproduktion auch weniger Bicarbonat im Blut vorhanden ist. Die Folge bei einer langwierigen Einnahme von PPI ist eine Übersäuerung des Gewebes mit allen möglichen Konsequenzen. 

Die Schlussfolgerung

Protonenpumpenhemmer werden im medizinischen Alltag leider allzu oft unnütz und ohne vorheriges Abwägen der Risiken eingesetzt. Insbesondere die stetig steigenden Verordnungen zur Langzeitanwendung sollten zwingend überdacht werden. Doch was tun stattdessen?

Ursachenforschung statt Einnahme von Säureblockern

Anders als in der Werbung des großen Arzneimittelherstellers propagiert agieren Protonenpumpeninhibitoren eben nicht gegen die Ursache des Sodbrennens. Allzu oft wirken sie leider sogar kontraproduktiv. Tatsächlich zeigt sich bei vielen Patienten mit einem Reflux nicht einmal eine übermäßig hohe Produktion von Magensäure. Die Suche nach den Ursachen ist somit umso wichtiger. Zu den möglichen Ursachen gehören unter anderem:

  • eine gestörte Darmflora
  • eine Störung der Speiseröhrenperistaltik
  • Probleme im Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre bzw. auch zwischen Magen und Dünndarm (häufig handelt es sich beim Reflux gar nicht um einen Rückfluss von Magen-, sondern von Gallensäure)
  • ein Zwerchfellbruch
  • das vermehrte Vorhandensein von Helicobacter pylori
  • ein Magensäuremangel (!)

Keine dieser Ursachen kann durch die Einnahme von Protonenpumpenhemmern behoben werden. Vor dem Griff zu den Säureblockern empfiehlt sich somit immer ein genauer Blick auf die Symptomatik und eine ausführliche Diagnosestellung. Hier kann ein ganzheitlich arbeitender Arzt oder Heilpraktiker helfen. Gerne berate ich Sie auch in meiner Praxis.

Was Sie bei Sodbrennen und Co. tun können

Sodbrennen durch gesunde Ernährung entgegenwirken

Sodbrennen durch gesunde Ernährung entgegenwirken

  1. Verzichten Sie auf große Mahlzeiten und essen Sie lieber über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten. Kauen Sie ausgiebig und nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mahlzeiten.
  2. Essen Sie Ihre letzte Mahlzeit spätestens drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen.
  3. Kurzfristige Hilfe bei akutem Sodbrennen können Kartoffelpresssaft, Heilerde oder eingeweichte Leinsamenbieten.
  4. Bewegen Sie sich regelmäßig. Schon ein einstündiger Spaziergang am Tag kann die Refluxproblematik bessern.
  5. Meiden Sie zuckerreiche Mahlzeiten und industriell verarbeitete Lebensmittel.
  6. Bevorzugen Sie stattdessen vitamin- und nährstoffreiche Kost. Wenn Sie Rohkost nicht vertragen, können Sie das Gemüse leicht andünsten.
  7. Verzichten Sie auf Alkohol und Rauchen. Auch Ihren Kaffeegenuss sollten Sie einschränken.

 

 

 

 

 

 

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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