Diagnose Reizdarm – das steckt dahinter

Reizdarm Heilpraktiker

 

Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung – wenn Sie die Diagnose Reizdarm erhalten haben, gehören diese Beschwerden vermutlich zu Ihrem Alltag. Patienten mit der Diagnose Reizdarm haben oft zahlreiche Arztbesuche und verschiedene Diagnostik hinter sich. Die Diagnose Reizdarmsyndrom ist häufig verbunden mit einem „Damit müssen Sie nun leben.“ Nicht selten wird durch den Arzt sogar der Eindruck erweckt, die Beschwerden seien „rein psychisch“ oder gar eingebildet. Doch ist das wirklich so? In diesem Artikel möchte ich mir mit Ihnen gemeinsam das Reizdarmsyndrom genauer ansehen.

Reizdarm – was ist das eigentlich?

Unter den Begriff Reizdarmsyndrom (RDS) fallen in der Medizin verschiedene funktionelle Darmerkrankungen. Bei einer funktionellen Störung ist der Darm in seiner Funktion gestört, sodass es zu Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen kommt. Doch bei Untersuchungen des Darms zeigen sich keinerlei Schäden, die für solche Symptome verantwortlich sein könnten. Um die Diagnose Reizdarm stellen zu können, müssen also zunächst Schäden am Organ und damit verschiedene Darmerkrankungen ausgeschlossen werden. Deshalb sagt man auch, dass das Reizdarmsyndrom eine Ausschlussdiagnose ist. Rund 50 Prozent aller Patienten, die einen Spezialisten für Darmerkrankungen (Gastroenterologen) aufsuchen, erhalten die Diagnose Reizdarm. Doch findet sich bei all diesen Patienten wirklich keine Ursache für Ihre Beschwerden? Die Erfahrungen aus meiner Praxis zeigen ein anderes Bild. Bei einem Großteil der Patienten, die mit der Diagnose Reizdarmsyndrom in meine Praxis kommen, finden sich durchaus Veränderungen im Bereich des Verdauungssystems. Eine Behandlung, die hier ansetzt, kann die Beschwerden lindern.

Dünndarmfehlbesiedlung als Ursache des Reizdarmsyndroms

In unserem Darm leben Billionen Bakterien. In ihrer Gesamtheit werden sie auch als Darmflora bezeichnet. In Dünn- und Dickdarm wohnen jeweils verschiedene Bakterienstämme. Während der Dickdarm eine große Anzahl an Bakterien aufweist, ist der Dünndarm normalerweise eher spärlich besiedelt. Eine Schleimhautklappe, die den Dünn- vom Dickdarm trennt, soll verhindern, dass Keime aus dem Dickdarm in den vorgelagerten Dünndarm gelangen. Beeinträchtigungen dieser Klappe und/oder Störungen in der Darmmotorik können dazu führen, dass sich die Bewohner des Dickdarms auch im Dünndarm ansiedeln. Verschiedene Faktoren können dies begünstigen. Finden sich im Dünndarm vermehrt Bewohner des Dickdarms, spricht man von einer Dünndarmfehlbesiedlung (DDFB oder englisch SIBO). Gelangt der Nahrungsbrei nach dem Essen in den Dünndarm, widmen sich die Dickdarmbakterien der Verdauung. Sie produzieren dabei Gase, die bei den Betroffenen Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Blähungen hervorrufen können.

Reizdarm durch eine gestörte Darmflora

Nicht nur der Dünndarm, auch der Dickdarm kann Verursacher des Dysbiose ReizdarmReizdarmsyndroms sein. Die Darmflora des Menschen ist ein komplexes Ökosystem, das aus verschiedenen Mikroorganismen besteht. Rund 10 bis 100 Billionen Bakterien aus 500 bis 1000 unterschiedlichen Arten haben hier ihren Platz. Zu einem überwiegenden Teil besteht die Flora jedoch aus Bakterien der Stämme Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Die Bakterien übernehmen verschiedene Aufgaben. Sie:

  • versorgen uns mit Vitaminen
  • unterstützen den Darm bei der Verdauung von Nahrungsbestandteilen
  • versorgen den Darm mit Energie
  • spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem
  • regen den Darm zur Bewegung an

Ein Ungleichgewicht in der Darmflora, mit einem Mangel an „guten“ und einem Überfluss an „schlechten“ Bakterien hat entsprechend weitreichende Folgen. Zu den Symptomen einer solchen Dysbiose gehören Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Darmkrämpfe und Koliken. Kommen Ihnen diese Beschwerden vielleicht bekannt vor?

Diagnose Reizdarmsyndrom – Versteckt sich dahinter ein Leaky Gut?

Eine wichtige Aufgabe des Darms ist es, Nährstoffe durch die Darmschleimhaut in den Körperkreislauf zu lassen und schädliche Stoffe auszuscheiden. Er fungiert deshalb als wichtige Barriere zwischen der Umwelt und dem Körper. Beim Leaky Gut kommt es durch verschiedene Mechanismen zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms. Dadurch treten vermehrt Stoffe in den Blutkreislauf über, die dort nicht hingehören. Das Immunsystem reagiert auf diese Substanzen und die Darmschleimhaut entzündet sich, sodass es zu weiteren Schädigungen kommt. Das Leaky Gut Syndrom kann nicht nur darmspezifische Symptome hervorrufen, sondern auch Ursache diffuser Beschwerden wie Müdigkeit oder Leistungsabfall sein. Ebenso können Autoimmunerkrankungen, Hauterkrankungen, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten Folgen eines Leaky Gut Syndroms sein.

Gereizter Darm durch Gluten

Verschiedene Bestandteile des Glutens können bei einigen Menschen zu einer Glutenunverträglichkeit oder einer Glutensensitivität führen. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in verschiedenen Getreidearten vorkommt. Dazu gehören neben Weizen auch Dinkel, Emmer, Einkorn und Kamut. Patienten mit einer Glutenempfindlichkeit reagieren auf den Verzehr von glutenhaltigen Produkten mit Befindlichkeitsstörungen. Anders als bei der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) finden sich jedoch keine zöliakie- oder allergietypischen Antikörper. Eine Glutensensitivität ist dementsprechend nicht so einfach zu diagnostizieren. Verzichten Sie für einige Zeit auf glutenhaltige Nahrungsmittel, werden sich Ihre Beschwerden vermutlich bessern.

Reizdarmsyndrom: Folge schlechter Ernährung?

Reizdarm ZusatzstoffeAuch eine unausgewogene Ernährung kann zu Reizdarmsymptomen führen. Neuere Studien zeigen, dass bestimmte Zellen im Darm auf Aromastoffe in der Nahrung reagieren. Dadurch kommt es zu einer gestörten Darmaktivität mit Übelkeit oder Durchfall. Auch verschiedene andere Zusatzstoffe in Lebensmitteln wie beispielsweise künstliche Süßstoffe (Aspartam oder Sorbit) können die Darmtätigkeit negativ beeinflussen.

 

Sie sehen: Bevor die Diagnose Reizdarm abschließend gestellt werden kann, sollten zahlreiche andere Ursachen ausgeschlossen werden. Denn mit Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen müssen Sie sich keinesfalls abfinden. Gerne berate ich Sie dazu in meiner Praxis.

 

Katrin Schumann

Katrin Schumann

Heilpraktikerin bei Naturheilpraxis Bochum
Katrin Schumann – Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde mit den Praxisschwerpunkten Frauenheilkunde, Schwangerschaft und Kinderwunsch
Katrin Schumann
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