Diagnose bei unerfülltem Kinderwunsch

Diagnose bei unerfülltem Kinderwunsch

Diagnose Kinderwunsch

Wie Sie in den vorherigen Artikeln bereits gesehen
haben, sind die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch sehr vielschichtig. Nicht selten gibt es nicht nur den einen Grund, sondern die Kinderlosigkeit ist vielmehr ein multikausales Geschehen. Umso wichtiger ist eine ausführliche und genaue Diagnose.

Die Wahl der richtigen Praxis

Bei Fruchtbarkeitsstörungen empfiehlt es sich, sowohl beim Mann als auch bei der Frau genauer hinzuschauen. Schließlich ist Ihr Wunschkind keine Einzelleistung, sondern ein Gemeinschaftsprojekt 😉 Wenn Sie in gynäkologischer Behandlung sind, können Sie Ihren Frauenarzt bzw. Ihre Frauenärztin auf den Kinderwunsch ansprechen. Möglicherweise finden sich hier bereits Hinweise auf eventuelle Ursachen. In der gynäkologischen Praxis können auch die Hormonwerte im Blut bzw. im Speichel (wenn Ihre Gynäkologin / Ihr Gynäkologe dafür aufgeschlossen ist) bestimmt werden. Für die Untersuchung des Mannes sind urologische oder andrologische Praxen zuständig. Mittlerweile gibt es in den meisten Städten Spezialpraxen, Kliniken und Kinderwunschzentren, die sich ausschließlich der Beratung und Behandlung von Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch widmen. Auch hier werden entsprechende Diagnosemöglichkeiten angeboten. Auch Heilpraktiker, die sich auf das Thema Kinderwunsch spezialisiert haben, führen eine ausführliche Diagnose durch. Diese umfasst je nach Arbeitsweise des Therapeuten neben schulmedizinischen auch naturheilkundliche Diagnoseverfahren. Bei der Wahl der richtigen Praxis helfen folgende Fragen:

  • Wie verständlich vermitteln mir meine Ansprechpartner Informationen?
  • Werde ich über alle Untersuchungen und Behandlungen ausreichend aufgeklärt?
  • Nehmen sich meine Ansprechpartner ausreichend Zeit zum Gespräch?
  • Fühle ich mich in der Praxis wohl?
  • Kann ich Vertrauen zu meinen Ansprechpartnern entwickeln?
  • Das erste Gespräch

Beim ersten Gespräch steht ihre bisherige Krankengeschichte im Mittelpunkt. Auch ihre derzeitigen Lebensverhältnisse, Ihre Beziehung und Ihre Sexualität können in diesem Gespräch eine Rolle spielen. Da alle Informationen über Sie von Relevanz sein können, ist es hilfreich, wenn Sie sich vor dem Gespräch alles notieren, was Ihnen wichtig erscheint. Diese Liste können Sie zum Erstgespräch mitnehmen. Häufig vergisst man sonst in der Aufregung, was man eigentlich so dringend loswerden wollte. Sollten während des Gesprächs Fragen auftauchen, haben Sie keine Scheu nachzufragen. Auch mögliche Ängste, Unsicherheiten und Sorgen sollten hier zur Sprache kommen. Anhand des ersten Gesprächs wird meist schnell deutlich, welche weiteren Diagnoseverfahren nötig sind.

Gynäkologische Untersuchung

Wenn die Gynäkologin / der Gynäkologe über den Kinderwunsch informiert ist, wird normalerweise eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen. Im Rahmen dieser Untersuchung macht der Arzt einen Abstrich, der dann auf Bakterien und Pilzbefall untersucht wird. Mittels Ultraschall kann der Arzt Auffälligkeiten im Bereich von Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern erkennen. Auch zyklische Veränderungen der Gebärmutter und der Eierstöcke lassen sich so beurteilen. Die Ultraschalluntersuchung ist normalerweise schmerzfrei.

Um Veränderungen in der Gebärmutter oder in den Eileitern abzuklären, können spezielle Ultraschalluntersuchungen nötig sein. So wird bei der Hysterosalpingo-Kontrastsonografie vor der Untersuchung ein Kontrastmittel gespritzt, sodass in der folgenden Untersuchung die Durchgängigkeit der Gebärmutter und der Eileiter beurteilt werden kann.

Bauch- und Gebärmutterspiegelung

Besteht nach dieser Untersuchung der Verdacht auf eine Verklebung oder einen Verschluss der Eileiter, kann der Arzt eine Bauchspiegelung empfehlen. Bei der der kleinen Operation macht der behandelnde Arzt einen kleinen Schnitt unterhalb des Bauchnabels und führt ein Untersuchungsinstrument ein. Dieses Laparoskop besteht aus einem dünnen Metallstab mit einer winzigen eingebauten Kamera. Im Rahmen der Bauchspiegelung können auch auffällige Zysten, Myome, Verwachsungen und kleine Endometrioseherde entfernt werden. Eine Gebärmutterspiegelung wird durchgeführt, um Fehlbildungen, Myome, Verwachsungen und Veränderungen der Schleimhaut in der Gebärmutter zu erkennen.

Untersuchung der Hormone

Bei endokrinologischen Untersuchungen wird die Hormonproduktion überprüft. Dafür sollten folgende Hormone im Blut gemessen werden:

  • Östradiol
  • Prolaktin
  • die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH)
  • Anti-Müller-Hormon (AMH)
  • Luteinisierendes Hormon (LH)
  • Progesteron

Da im Blut nur die Gesamtmenge der Hormone ersichtlich wird, empfiehlt sich ein zusätzlicher Speicheltest für die Hormone Östradiol, Progesteron und Testosteron. Im Speichel werden ausschließlich die freien Hormone sichtbar. Das sind die Hormone, die den Körperzellen auch wirklich zur Verfügung stehen.

Zyklusbeobachtung

Wertvolle Hinweise auf den eigenen Zyklus liefert die Zyklusbeobachtung. Ohne einen Eisprung kann natürlich keine Schwangerschaft entstehen. Deshalb ist es sinnvoll zu prüfen, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet. Dazu können Sie jeden Morgen Ihre Basaltemperatur messen. Dafür benötigen Sie einfach nur ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen. Die Basaltemperatur wird vaginal oder anal gemessen. Tragen Sie Ihre Werte in ein Zyklusdatenblatt ein und beobachten Sie Ihre Temperaturkurve über mehrere Zyklen, damit Sie ein Gefühl für Ihren ganz eigenen Zyklus bekommen. Besprechen Sie ihr Zyklusblatt mit Ihrem Arzt oder ihrem Heilpraktiker.

Samenuntersuchung beim Mann

In den meisten Fällen liefert die Untersuchung des Samens des Mannes entscheidende Hinweise auf eine mögliche Störung der Fruchtbarkeit. Die Samenprobe gewinnt der Mann in einem Raum der Arztpraxis oder zu Hause durch Masturbation. Anschließend wird die Samenprobe im Labor untersucht. Dabei werden die Gesamtzahl der Spermien und die Anzahl der Spermien pro Milliliter bestimmt. Darüber hinaus beurteilen die Mitarbeiter des Labors die Form der Spermien, ihre Beweglichkeit, den pH-Wert der Samenflüssigkeit und weitere Eigenschaften der Samenprobe. Die ermittelten Werte werden dann in dem sogenannten Spermiogramm dokumentiert. Bei Werten, die von der Norm abweichen, wird die Untersuchung acht bis zwölf Wochen später wiederholt. Sie sollten sich bewusst machen, dass das Spermiogramm immer nur eine Momentaufnahme ist. So bedeutet ein schlechtes Ergebnis mitnichten, dass sich Ihr Kinderwunsch nicht erfüllen lässt. Zeigen sich in der zweiten Spermaprobe wieder deutliche Abweichungen von der Norm, können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Dazu gehören zum Beispiel genetische Untersuchungen oder eine Überprüfung auf Entzündungen.

Endokrinologische Untersuchung beim Mann

Ebenso wie bei der Frau können auch beim Mann hormonelle Untersuchungen durchgeführt werden. Hier werden folgende Werte bestimmt:

  • FSH
  • LH
  • evtl. Inhibin B
  • Prolaktin
Ultraschall-Untersuchung des Hodens

Bei der Ultraschall-Untersuchung des Hodens kann der Arzt die Gewebestrukturen der Hoden und der Nebenhoden beurteilen. Darüber hinaus wird die Größe der Hoden gemessen. Ein Hodenvolumen unter 12 Millilitern kann ein Hinweis auf eine angeborene Entwicklungsstörung oder auf eine hormonelle Störung sein. Zusätzlich kann mithilfe des Ultraschallgeräts das Gefäßsystem des Hodens untersucht werden. So können Krampfadern, die sogenannten Varikozelen, die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Anhand der Untersuchungsergebnisse kann entschieden werden, ob eine Behandlung der Krampfadern nötig ist.

Die Hodenbiopsie

Wenn sich im Ejakulat nur wenige Samenzellen finden, kann anhand einer Gewebeprobe aus dem Hoden überprüft werden, ob der Hoden überhaupt Spermien produziert. Falls im Rahmen dieser Hodenbiopsie Samenzellen entnommen werden können, werden diese in der Regel direkt tiefgefroren, sodass sie für eine mögliche künstliche Befruchtung erhalten bleiben. Somit ist die Hodenbiopsie sowohl Diagnose- als auch Therapieverfahren.

Der Postkoitaltest

Falls der Mann ausreichend befruchtungsfähige Spermien produziert und die Frau einen unauffälligen Zyklus aufweist, kann der sogenannte Postkoitaltest weitere Hinweise auf die Ursachen der Kinderlosigkeit liefern. Bei diesem Test wird untersucht, ob die Spermien den Gebärmutterhalsschleim durchdringen können. Dafür wird zunächst ein bis drei Tage vor dem Eisprung die Spinnbarkeit des Zervikalschleims geprüft. Zu diesem Zeitpunkt sollte diese mindestens bei fünf Zentimetern liegen. Am Tag vor oder am Abend des Eisprungs sollte dann der Geschlechtsverkehr stattfinden. Am nächsten Morgen entnimmt der Arzt in der Praxis aus dem Gebärmutterhalskanal ein Gemisch aus dem Gebärmutterhalssekret und der Samenflüssigkeit. Dieses Gemisch wird unter dem Mikroskop auf die Anzahl, die Beweglichkeit und die Überlebensfähigkeit der Spermien untersucht. Im Idealfall sollten einige bewegliche Spermien vorhanden sein. Ein negatives Ergebnis bedeutet, das sich zu wenige befruchtungsfähige Spermien in der Probe befunden haben. Der Postkoitaltest ist eine recht einfache Untersuchung, die verschiedene Informationen bietet. Es bietet sich deshalb an, diesen Test zu Beginn der Fruchtbarkeitsuntersuchungen durchzuführen. Einige Arztpraxen greifen jedoch erst dann auf den Test zurück, wenn die anderen Untersuchungen keine Hinweise auf den Grund der Kinderlosigkeit offenbart haben.

Naturheilkundliche Diagnosemöglichkeiten

In der Naturheilkunde können verschiedene zusätzliche Verfahren zur Diagnose bei Kinderwunsch genutzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Bioresonanz oder die Kinesiologie. In meiner Praxis arbeite ich mit der Urinfunktionsdiagnostik. Diese gibt einen guten Überblick über die Funktion verschiedener Organsysteme. Auch die Hormonspeicheldiagnostik kommt bei meiner Kinderwunschbehandlung zum Einsatz. Je nach Fall können auch Untersuchungen der Vaginal- und der Darmflora weitere Hinweise auf die Ursache der Kinderlosigkeit liefern.

Möchten Sie mehr über das Thema Kinderwunsch erfahren? Die weiteren Artikel der Serie „Unerfüllter Kinderwunsch – Was nun?“ finden Sie hier im Blog:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Unfruchtbar durch Übergewicht und Untergewicht

Unfruchtbar durch Übergewicht und Untergewicht

depositsstest-min

Welchen Einfluss hat das Gewicht auf die Fruchtbarkeit?

Generell lässt sich sagen, dass bei Kinderwunsch Normalgewicht angestrebt werden sollte. Schwanger werden kann sowohl durch Übergewicht als auch durch Untergewicht erschwert werden.

Wann liegt Übergewicht bzw. Untergewicht vor?

Untergewicht liegt laut Definition bei einem Body-Mass-Index von unter 18,5 kg/m2 vor. Bei Werten zwischen 25 und 30 liegt Übergewicht vor. Ab Werten von 30 spricht man von Adipositas.

Der BMI errechnet sich folgendermaßen: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Bei einer Körpergröße von 160 Zentimetern und einem Gewicht von 60 Kilogramm errechnet sich der BMI also folgendermaßen: 60 / (1,60*1,60) = 23

Untergewicht verringert die Fruchtbarkeit

Bei Untergewicht kann es beispielsweise zu einem Mangel an Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) kommen. Dieses Hormon wird im Gehirn im Hypothalamus gebildet und regt die Hirnanhangdrüse zur Produktion von LH und FSH an. Ohne diese Hormone gerät der weibliche Zyklus aus dem Gleichgewicht. In der Folge:

  • wird der Eisprung unregelmäßig
  • findet eventuell gar kein Eisprung mehr statt
  • werden weniger Östrogene produziert
  • bleibt die Regelblutung aus oder kommt nur noch unregelmäßig
  • Bei Männern kann Untergewicht zu einer Abnahme der Spermienzahl führen. Zudem kann die Funktion der vorhandenen Spermien eingeschränkt sein.

Schwanger werden mit Übergewicht

Auch bei übergewichtigen Frauen kann es zu Hormonstörungen kommen. Das Fettgewebe ist das größte endokrine, also hormonproduzierende Organ. Im Fettgewebe werden Androgene wie das Testosteron oder das Androstendion durch das Enzym Aromatase zu Östrogenen umgewandelt. Je mehr Fettgewebe vorhanden ist, desto mehr Aromatase liegt vor. Folglich werden bei übergewichtigen Frauen vermehrt Östrogene im Fettgewebe produziert. Über einen negativen Feedback-Mechanismus bewirken diese hohen Östrogenspiegel eine verminderte Ausschüttung der Hormone GnRH, FSH und LH. Störungen im Bereich dieser Hormone können den Eisprung verhindern und eine Schwangerschaft somit unmöglich machen.

Ferner wird bei Übergewicht oft vermehrt Insulin ausgeschüttet. Die Eierstöcke reagieren auf diesen Insulinüberschuss und produzieren vermehrt Testosteron. Ein Vorgang, der sich insbesondere beim sogenannten PCO-Syndrom beobachten lässt. Durch die erhöhten Testosteronspiegel wird die Entwicklung der Follikel massiv gestört.

Übergewicht bei Frauen kann also folgende Auswirkungen haben:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • fehlender oder unregelmäßiger Eisprung
  • erhöhter Spiegel an männlichen Hormonen
  • höheres Risiko für das Auftreten des PCO-Syndroms

Übergewicht beim Mann schädigt die Spermien

Auch beim Mann wirkt sich Übergewicht negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Experten schätzen, dass eine Gewichtszunahme um 10 Kilogramm mit einer Abnahme der Fruchtbarkeit um 10 Prozent einhergeht.

Mehrere Studien zeigen, dass bei übergewichtigen Männern die Konzentration von Samenzellen im Ejakulat erniedrigt ist. Dabei besteht eine klare sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehung. Das bedeutet: Je dicker der Mann ist, desto weniger Spermien finden sich in seinem Ejakulat. Doch es liegen nicht nur zu wenig Spermien vor, die Beweglichkeit der Samenzellen ist zudem auch stark eingeschränkt. Störungen finden sich ebenfalls bei der Form der Spermien. Durch Störungen bei der Samenausreifung kommt es zu einem Anstieg von fehlgebildeten Spermien im Ejakulat.

Das Übergewicht stört zudem die Bildung der männlichen Hormone im Hoden. Die Androgenwerte sind niedriger, hingegen finden sich im Blut vermehrt weibliche Hormone. Grund für die erhöhten Östrogenspiegel ist genau wie bei der Frau die Aromatase aus dem Fettgewebe.

Sie sehen also, dass das Körpergewicht eine nicht unwichtige Rolle beim Kinderwunsch spielt. Weitere Einflussfaktoren und Informationen finden Sie in den anderen Artikeln der Reihe „Unerfüllter Kinderwunsch – Was nun?“

Teil 1: Grundlagen und Definition

Teil 2: Körperliche Ursachen

Teil 3: Unfruchtbar durch toxische Umwelteinflüsse

Teil 5: Die Diagnose

Unfruchtbar durch Umweltgifte und Schadstoffe?

Unfruchtbar durch Umweltgifte und Schadstoffe?

Umweltgifte schwanger Kinderwunsch
Dieser Artikel liegt mir besonders am Herzen, denn Umweltgifte und Schadstoffe spielen in unserem Leben (leider) eine immer wichtigere Rolle und beeinflussen mehr und mehr Lebensbereiche. Ein ganz großer Bereich, der durch diese Faktoren negativ beeinflusst wird, ist unsere Gesundheit. Dabei sind die Schäden, die durch Umweltgifte und Schadstoffe angerichtet werden, leider nicht immer sofort sichtbar. Da auch die entsprechenden Schadstoffe und Umweltgifte nicht immer sichtbar oder überhaupt bekannt sind, werden eventuelle Symptome nicht mit diesen Stoffen in Verbindung gebracht. So haben Umweltgifte zum Beispiel einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Endokrine Disruptoren stören das Hormonsystem

Endokrine was? Endokrine Disruptoren, auch als Xenoöstrogene bekannt, sind Chemikalien, die eine hormonähnliche Wirkung haben bzw. den Hormonhaushalt ordentlich durcheinanderbringen. Die unterschiedlichen Stoffe haben verschiedene Wirkungen. So gibt es endokrine Disruptoren, die sich ähnlich wie ein Hormon verhalten. Andere können körpereigene Hormone blockieren oder auf anderen Wegen die Menge der produzierten Hormone verändern. Mehr als 800 verschiedene zugelassene Chemikalien haben einen Einfluss auf Hormonrezeptoren, den Umbau von Hormonen oder die Produktion von Hormonen und es werden Jahr für Jahr mehr. Laut einem Bericht der WHO stehen endokrine Disruptoren in Zusammenhang mit Brustkrebs, Prostatakrebs, Diabetes, Endometriose, Übergewicht, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson, ADHS und Unfruchtbarkeit. Dabei wirken sich die Schadstoffe nicht nur negativ auf die Fruchtbarkeit der Frauen, sondern auch auf die Spermienqualität der Männer aus. Sie stören den Kalziumhaushalt der Spermien, behindern ihr Schwimmverhalten oder stören die Navigation zur Eizelle. Auch in geringer Konzentration können endokrine Disruptoren das Durchdringen der Eizelle zu einem unüberwindbaren Hindernis machen. Lange Zeit war die Forschung ausschließlich auf Östrogene bzw. östrogenähnliche Disruptoren fokussiert. Endokrine Disruptoren beeinflussen aber auch Schilddrüsenhormone. Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, sind viele Bereiche des Körpers davon betroffen.

Auswirkungen von endokrinen Disrupturen über die Lebensspanne

Auswirkungen von endokrinen Disrupturen über die Lebensspanne

Exposure to EDCs could impair the health of our children and their children.

Die Namen der endokrinen Disruptoren lesen sich eher kryptisch: Chlorparaffine, Toxaphen, Polybromierte Biphenyle, Dibenzofurane, Halogenphenole, Tributylzinnhydrid…

Doch schauen wir einmal genauer hin, wo sich die schädlichen Stoffe wirklich verbergen. Endokrine Disruptoren finden sich unter anderem im Kosmetika (sehr häufig!), Sonnenschutzmitteln, Kunststoffen, Zahnpasta, Konserven- und Getränkedosen, Thermopapier, Mixbechern, Wasserkochern, Kaffeebechern, Farben, Lacken, Medizinprodukten und natürlich auch im Essen. Exemplarisch möchte ich zwei der häufigsten Disruptoren etwas genauer beleuchten.

Bisphenol A

Bisphenol A ist ein Stoff, der zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat genutzt wird. Er findet sich in verschiedenen Alltagsgegenständen. So kann Bisphenol A beispielsweise in Babyschnullern, Plastikgeschirr, Thermopapier (z. B. bei Kassenbons) und auch in der Innenbeschichtung von Kunststoffdosen nachgewiesen werden. Innerhalb Deutschlands kommen jährlich rund 410.000 Tonnen (!) Bisphenol A auf den Markt. Tragisch ist, dass der Stoff leider nicht im Plastik bleibt. Er kann sich bei Kontakt mit Wasser oder Lebensmitteln aus dem Produkt lösen und gelangt so in den Körper. Bereits in winzigen Mengen greift die Substanz in unseren Hormonhaushalt ein. Frühreife Kinder, eine Reduzierung der Spermienzahl, und eine beeinträchtigte Sexualentwicklung sind die Folgen dieses Eingriffs in das Hormonsystem. Warum Bisphenol A dann immer noch nicht verboten ist? Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen weisen seit Jahren auf die Gesundheitsgefährdung hin. Alle Studien, die von der Industrie mitfinanziert oder durchgeführt wurden, geben hingegen Entwarnung. Wer behält nun Recht? Immerhin ist BPA in Babyflaschen in der EU seit 2011 verboten. Doch leider bleibt uns Bisphenol A zum Beispiel in Konservendosen erhalten. So sind mittlerweile zwei von drei Lebensmittel-Konservendosen mit dem Schadstoff belastet.

Phtalate – Gefährliche Weichmacher

Phtalate werden Kunststoffen beigemischt, um diese elastisch, weicher und biegsamer zu machen. Die Weichmacher stecken zum Beispiel in PVC-Bodenbelägen, Vliestapeten, Kunstleder, Spielsachen und Isolationen von Kabeln. Der Anteil von Phtalaten in diesen Produkten beträgt zwischen 10 und 50 Prozent. Allein Westeuropa produziert pro Jahr eine Million Tonnen Phtalate. Sieben der Weihmacher wurden von der Europäischen Union als besonders gefährlich eingestuft. Sie schädigen die Fortpflanzungsorgane, wirken giftig auf die Hoden und verringern die Spermienqualität. Ebenso wie Bisphenol A verbleiben auch die Phtalate nicht im Produkt. Sie dünsten ständig aus und gelangen so in die Umwelt oder in den menschlichen Körper. Leider hilft auch gutes Durchlüften nichts. Phtalate dünsten über Monate oder Jahre aus. Als Faustregel gilt: Erst wenn ein Kunststoffprodukt porös ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich im Produkt keine oder nur noch wenige Weichmacher verbergen. Phtalate gelangen aber auch über die Nahrung in den menschlichen Körper. Während der Verarbeitung oder durch die Verpackung kommen die Lebensmittel mit den Weichmachern in Berührung. Insbesondere in fetthaltigen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise in Nüssen oder Keksen, können sich die Weichmacher hervorragend anreichern. Zwar dürfen mittlerweile drei Weichmacher in der Produktion von Spielzeug und Babyartikeln nicht mehr genutzt werden, sie finden sich aber noch in zahlreichen anderen Alltagsgegenständen. Eine BUND-Studie zeigte, dass Kindergärten in Deutschland immer noch hochbelastet sind.

Störungen der

weiblichen Fortpflanzung

Endokrine Disruptoren
Vorzeitige Pubertät Bisphenol A, Zigarettenrauch,

Pestizide, Phthalate, Phytoöstrogene

Unfruchtbarkeit Bisphenol A, Zigarettenrauch, Insektizide (DDT), PCB, DES
Fehlgeburt, Wachstumsstörungen in der Schwangerschaft, frühzeitige Geburt BPA, Pestizide wie DDT und DDE, Glyphosat, DES
PCO-Syndrom BPA
Myome der Gebärmutter BPA, Phytoöstrogene, DDT, DES, PCB, Dioxine
Endometriose Organochlor-Stoffe, Pestizide wie DDT und Methoxychlordioxin, PCB, DES
Erschwertes Stillen Atrazin, DDT, DDE, PCB
Brustkrebs mehr als 200 Chemikalien, DDT, Atrazin, DES, BPA, Zigarettenrauch
Sichere Dosen? Leider nicht.

Immer wieder werden Sie lesen, dass es Grenzwerte in der EU gibt und diese in der Regel auch nicht überschritten werden. Das ist vermutlich richtig, sodass Sie in der EU bestenfalls kein Produkt erhalten, das die BPA-Grenzwerte oder andere Grenzwerte überschreitet. „Die Dosis macht das Gift“ ist der Gedanke, der hier hintersteckt. Die Theorie der Toxikologie geht davon aus, dass eine Schädigung umso wahrscheinlicher und umso größer ist, je höher die Dosis der Exposition ist. Ein Grenzwert für eine Substanz besagt also, dass es aller Voraussicht nach zu keinem Schaden kommt, wenn das Produkt genutzt wird. Doch was passiert, wenn wir nicht nur ein oder zwei Produkte nutzen? Endokrine Disruptoren finden sich in unserer Umwelt überall, sodass wir am Tag seltenst nur mit einer Schadstoffquelle in Kontakt kommen. Hier kommt es zum sogenannten „Cocktail-Effekt“. Die Folgen dieses Gift-Cocktails können nicht vorhergesagt werden. Doch das ist nicht das einzige Problem bei den Grenzwerten. Ist es bei einigen Substanzen tatsächlich so, dass geringere Dosen kaum zu Problemen führen, haben kleine Dosen der endokrinen Disruptoren oft gravierende Wirkungen. Die körpereigenen Hormone liegen selbst in kleinsten Mengen im menschlichen Körper vor. Ist es da verwunderlich, dass kleinste Verschiebungen dieses Wunderwerk stören?

Was tun?

Die Lösung ist so eindeutig, aber so schwer umzusetzen. Natürlich sollten sämtliche endokrine Disruptoren im Idealfall streng gemieden werden. Doch realistisch betrachtet ist das kaum möglich. Ein geschärftes Bewusstsein für die Problematik ist aber ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der BUND hat die ToxFox-App auf den Markt gebracht, mit der Pflege- und Kosmetikprodukte direkt im Laden gescannt und auf hormonell wirksame Inhaltsstoffe geprüft werden können.

Beim Kauf von Plastikprodukten sollten Sie darauf achten, dass diese BPA-frei sind. BPA und Weichmacher in Konservendosen können nur umgangen werden, wenn Sie auf Konserven verzichten. Bohnen, Linsen, Kichererbsen und viele andere Konservenprodukte sind in getrockneter Form erhältlich und können selbst zuhause gekocht werden.

Weitere Artikel aus der Reihe „Unerfüllter Kinderwunsch – Was nun?“ finden Sie hier:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen 

Teil 4: Unfruchtbar durch Unter- oder Übergewicht

Teil 5: Die Diagnose

 ____________________________________________

Sollten Sie weiteren Beratungsbedarf zum Thema Kinderwunsch haben, können Sie mich gerne kontaktieren. Beratungen können sowohl vor Ort in meiner Praxis in Herdecke als auch online über Skype erfolgen.

Körperliche Ursachen für Kinderlosigkeit

Unerfüllter Kinderwunsch – Körperliche Ursachen

Körperliche Ursachen Kinderwunsch


In
Teil 1 der Serie „(Unerfüllter) Kinderwunsch  – was nun?“ haben wir uns mit den Grundlagen des Kinderkriegens beschäftigt. Wie entsteht das Wunder Leben eigentlich und welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

In Teil 2 der Serie möchte ich mich den körperlichen Ursachen widmen. Was kann dahinter stecken, wenn der Storch einfach nicht klappern möchte? Sie werden sehen, dass die Ursachen von unerfülltem Kinderwunsch ein breites und vielschichtiges Thema sind. Ursprünglich war geplant, dass die gesamten Ursachen in diesem Artikel aufgezeigt werden. Das Thema sprengt jedoch eindeutig den Rahmen, sodass ich die Ursachen nochmals unterteile in körperliche Ursachen, toxische Einflussfaktoren und Lebensstil als Ursache für Kinderlosigkeit. In weiteren Berichten und Artikeln möchte ich später einige Themen genauer beleuchten. Vielleicht interessiert Sie ein Aspekt besonders? Lassen Sie es mich gerne wissen.

Frau, Mann oder doch beide?20160409012205

Im Hinblick auf die Ursachen der Kinderlosigkeit ergibt sich ein geteiltes Bild. In 30 Prozent der Fälle ist die Ursache bei der Frau zu finden, in etwa 30 Prozent der Fälle liegt die Ursache bei ihm und zu 30 Prozent können die Ursachen bei Mann und Frau gesucht werden. Bei 10 Prozent aller Paare mit unerfülltem
Kinderwunsch ist nicht genau klar, woran es hapert. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier keine Ursache vorliegt. Sie ist einzig und allein nicht direkt zu finden.

Hormonelle Störungen bei Frauen

Störungen im weiblichen Hormonhaushalt können verschiedene Ursachen und verschiedene Folgen haben. Unfruchtbarkeit ist eine entscheidende Folge davon. Ein gestörter Hormonhaushalt kann dazu führen, dass

  • keine oder zu wenige Eizellen reifen
  • der Eisprung ausbleibt und somit keine Möglichkeit zur Befruchtung besteht
  • die Gebärmutterschleimhaut sich nicht richtig aufgebaut hat, sodass sich die befruchtete Eizelle nicht einnisten kann
  • die Beschaffenheit des Zervixschleims die Spermien daran hindert, zur Gebärmutter zu gelangen

Verursacher dieser „Hindernisse“ auf dem Weg zum Wunschkind sind häufig die Hormone Östrogen und Progesteron. Beteiligt sind zudem die Hormone LH (Luteinisierendes Hormon), FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und Testosteron. Neben den typischen Geschlechtshormonen können aber auch andere Hormone für die Unfruchtbarkeit verantwortlich sein. So beeinträchtigen sowohl Schilddrüsenstörungen als auch Insulinstoffwechselstörungen die Fruchtbarkeit. Ferner kann eine Überproduktion des Hormons Prolaktin zu Unfruchtbarkeit der Frau führen. Eine der häufigsten Erkrankungen, die mit Hormonstörungen und häufig auch mit unerfülltem Kinderwunsch einhergeht, ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom). Da das PCO-Syndrom ein sehr relevantes aber komplexes Thema ist, werde ich der Erkrankung in naher Zukunft einen eigenen Artikel widmen.

Nicht zu unterschätzen ist ferner der Einfluss von Übergewicht auf das hormonelle Gleichgewicht und die Fruchtbarkeit. Auch diesen Faktor möchte ich gerne in einem weiteren Artikel aufgreifen.

Endometriose, Myome und Co

Alle Organe, die an der Fortpflanzung beteiligt sind, können bei einer Störung zu Unfruchtbarkeit führen. So können Eileiter verschlossen, zu unbeweglich oder verwachsen sein. Dadurch ist der Transport der Eizellen zur Gebärmutter erschwert oder gar komplett verhindert. Eine solche Fehlbildung der Eierstöcke kann erworben oder angeboren sein. Nicht selten sind Schäden am Eierstock die Folge von Infektionen mit Chlamydien oder von Entzündungen. Gutartige Tumore der Gebärmutter (Myome), wiederholt auftretende Eierstockzysten oder Endometriose können ebenfalls ein Grund dafür sein, dass eine Frau ungewollt ohne Kind bleibt.

Ein Sonderfall ist die sogenannte immunologische Sterilität. Hier nimmt das Immunsystem die Eizellen als Fremdkörper wahr und attackiert sie, sodass es zu keiner Schwangerschaft kommen kann.

Ein Faktor, der häufig vollkommen zu Unrecht unbeachtet bleibt, ist das Milieu in der Scheide. Ein unfreundliches Scheidenmilieu und häufige Infektionen mit Bakterien oder Pilzen können einer Schwangerschaft dauerhaft entgegen wirken.

Dann gibt es noch Faktoren, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, an die kaum jemand denkt. Auf den ersten Blick scheinen sie überhaupt nichts mit der ganzen Thematik zu tun zu haben. Doch nicht selten sorgen auch chronische Entzündungen dafür, dass keine Schwangerschaft eintritt. Typische Entzündungsherde finden sich im Darm oder im Bereich der Zähne.

Schwindende Fruchtbarkeit im fortgeschrittenen Alter

Während früher viele Frauen das erste Kind schon mit 18 oder 19 bekommen haben, denkt heute ein Großteil der Frauen erst zwischen 25 und 35 über das erste Kind nach. Während im Alter zwischen 19 und 24 Jahren die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft in einem Zyklus noch bei 25 Prozent liegt, sind Frauen mit 35 Jahren nur noch halb so empfängnisbereit. Mit 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit in einem Zyklus schwanger zu werden nur noch bei 10 Prozent. Grund dafür ist unter anderem, dass die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke nachlässt und sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen abnimmt. Gleichzeitig steigt das Risiko für hormonelle Störungen. Übrigens nimmt auch anders als oft propagiert die Fruchtbarkeit der Männer mit dem Alter ebenfalls ab. Die Samenqualität verschlechtert sich bei Männern ab dem 35. Lebensjahr nachweislich.

Gestörte Spermienproduktion beim Mann

Beim Mann findet sich die Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit häufig bei der Spermienproduktion. Die Anzahl und die Beweglichkeit der Spermien verringern sich beim Mann unter anderem mit zunehmendem Alter. Doch es gibt weitere Gründe für eine Störung der Spermienproduktion. Dazu gehören unter anderem:

  • Infektionen (z.B. Mumps)
  • Hodenverletzungen
  • Umweltgifte (!)
  • hormonelle Störungen
  • Diabetes mellitus
  • Krampfadern am Hoden
  • Schäden am Erbgut
  • Überhitzung oder Unterkühlung der Hoden
  • Durchblutungsstörungen der Hoden

Schlechte Spermienwerte – ein Problem unserer modernen Zeit?

Eine Verschlechterung der Spermienwerte bei Männern und ein Rückgang der Spermienkonzentration

von Bobjgalindo (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

von Bobjgalindo (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

scheinen derzeit weit verbreitet zu sein. So passte die WHO ihre Spermiennormwerte im Jahr 2012 an. Während das durchschnittliche Ejakulatvolumen vorher noch bei zwei Millilitern pro Ejakulation lag, liegt der Normwert seit 2012 nur noch bei 1,5 Millilitern. Der Anteil der normal geformten Spermien muss nun nicht mehr bei 30 Prozent, sondern nur noch bei vier (!) Prozent liegen, um in die Norm zu fallen. Ebenso erschreckend ist meiner Meinung nach die Änderung der Normwerte bei dem Anteil der lebenden (vitalen) Spermien. War vor der Anpassung der Normwerte noch ein Wert von 75 Prozent normal, fallen heute auch Männer mit einem Anteil von nur noch 58 Prozent in die Norm. Die Universitätsklinik Wien beobachtete in einer Studie einen Rückgang der Spermienkonzentration um 83 Prozent in den letzten 20 Jahren. In der westlichen Welt sinkt die Spermienkonzentration pro Jahr um rund drei Prozent. Meiner Meinung nach ist eine Erklärung für diese wirklich erschreckenden Zahlen in unseren heutigen Lebensbedingungen zu suchen. Den schädlichen Einfluss, den toxische Umweltfaktoren auf die Fruchtbarkeit haben, bringe ich Ihnen im nächsten Teil der Artikelserie näher.

Die Absenkung der Referenzwerte wird vermutlich auch zur Folge haben, dass die Anzahl der Kinderlosigkeit ohne erkennbare Ursache steigen wird. Die neuen Referenzwerte entlasten somit die Männer. Ein schwieriges Thema…

Gestörter Samentransport

Doch auch wenn ausreichend Spermien gebildet werden, kann ihnen der Weg in die Samenflüssigkeit verwehrt bleiben. Beschädigte Samenleiter, Entzündungen (z. B. durch Chlamydien) und angeborene Fehlbildungen können verhindern, dass es die Spermien überhaupt vom Hoden ins Ejakulat schaffen.

Genau wie bei Frauen, kann sich auch bei Männern das Immunsystem gegen die Samenzellen wenden und diese angreifen (immunologische Sterilität).

Ohne Erektion keine Schwangerschaft

Natürlich können auch Erektionsstörungen dafür verantwortlich sein, dass keine Schwangerschaft eintritt. Ohne eine ausreichende Erektion kann der Penis nicht in die Scheide eindringen. Eventuell erschlafft der Penis vor dem Samenerguss, sodass keine Spermien in die Scheide gelangen können. Die Ursachen für Erektionsstörungen sind vielfältig. Sowohl körperliche als auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.

Hier gelangen Sie zu den anderen Artikeln der Reihe

Teil 1: Definition und Grundlagen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Teil 5: Die Diagnose

________________________________________________________________________

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Kinderwunsch haben oder sich eine persönliche Beratung zu dem Thema wünschen, können Sie mich unter kontakt@schumann-naturheilpraxis.de kontaktieren oder mir eine Nachricht zukommen lassen . Beratungen können vor Ort in meiner Praxis im Ruhrgebiet durchgeführt werden, sind aber auch online per Skype oder E-Mail möglich. Ich freue mich auf Sie!

Grundlagen unerfüllter Kinderwunsch (Teil 1)

Unerfüllter Kinderwunsch – das müssen Sie wissen

Unerfüllter Kinderwunsch

In meiner Praxis erlebe ich es immer häufiger, dass ein kleiner Mensch sehnsüchtig erwartet wird, und nichts geschieht. Die ersten Monate nehmen die meisten Paare diesen (normalen) Zustand auch gelassen hin. Spätestens nach einem Jahr stellt sich aber dann doch Unsicherheit ein und die quälenden Fragen erwachen:

  • „Was machen wir falsch?“
  • „Warum klappt es bei anderen und bei uns nicht?“
  • „Liegt es an mir?“
  • „Was können wir noch tun?“
  • „Was ist, wenn es nie klappt?“

Mit dieser Artikelserie möchte ich aufklären. Informieren über das Thema unerfüllter Kinderwunsch, mögliche Ursachen aufzeigen, Behandlungsmethoden erläutern und konkrete Tipps an die Hand geben.

Die Artikelserie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“ beginnt mit einer Einführung zum Thema Kinderwunsch und widmet sich den Grundlagen. Die Abläufe bei der Fortpflanzung sind recht komplex. Grundlegende Kenntnisse über die Entstehung von neuem Leben, helfen jedoch die Ursachen und Behandlungsmethoden bei Kinderwunsch zu verstehen. Deshalb möchte ich Ihnen das Wunder der weiblichen und männlichen Natur und das Wunder der Zeugung gerne näher bringen. Es folgen weitere Artikel über die Ursachen von Kinderlosigkeit, die schulmedizinischen und naturheilkundlichen Behandlungsmethoden, Ernährung bei Kinderwunsch und Tipps, die Sie bei Kinderwunsch in Ihrem Alltag umsetzen können.

Unerfüllter Kinderwunsch – ein Problem der heutigen Zeit?

Sicherlich gibt es Frauen bzw. Paare, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab jedoch, dass sich tatsächlich nur acht Prozent der Deutschen bewusst gegen ein Kind entscheiden. Häufig klappt es trotz des innigen Wunsches nicht. In Deutschland sind sechs Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. In dieser Altersgruppe entspricht das einem Anteil von 10 bis 20 Prozent. Die Tendenz ist leider steigend. Kinderlosigkeit ist ein brisantes Thema, hat es doch nicht nur persönliche, sondern im Hinblick auf die Alterspyramide auch immer mehr gesellschaftspolitische Relevanz.

Kinderwunsch – eine Definition

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt ein Paar dann als steril, wenn es innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht zur Schwangerschaft gekommen ist.

Die Grundlagen – der normale weibliche Zyklus

Weiblicher Zyklus

von Isometrik (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Direkt zu Beginn die erste Einschränkung: DEN normalen weiblichen Zyklus gibt es nicht. Er kann von Frau zu Frau unterschiedlich sein, verläuft aber zumeist in einem Zeitraum von 23 bis 35 Tagen. Durchschnittlich ist ein Zyklus 28 Tage lang. Er beginnt mit dem ersten Tag
der Periodenblutung und endet mit dem Tag vor dem Start der nächsten Blutung. Grob lässt sich der Zyklus in drei Phasen unterteilen: Proliferationsphase / Follikelphase, Ovulationsphase und Lutealphase.

Reifungsphase / Follikelphase

Mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt die Reifungsphase der Follikel (Eibläschen). Dafür wird das follikelstimulierende Hormon (FSH) benötigt, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Die Eierstöcke beherbergen schon seit der Geburt rund ein bis zwei Millionen Eizellen. Diese werden von den sogenannten Begleitzellen umgeben. Eine Eizelle und die dazugehörigen Begleitzellen bilden jeweils einen Follikel. In jedem Zyklus reifen 10 bis 20 Follikel unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons heran. Nur ein Follikel schafft es hingegen, zum sprungbereiten Leitfollikel zu werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Mehrlinge. Hier entwickeln sich mehrere Eibläschen weiter und werden auch befruchtet. Der Einfachheit halber bleibe ich in der Darstellung jedoch bei einem Follikel. Diese Reifungsphase der Follikel dauert ca. bis zum 14. Zyklustag. Während der Reifungsphase werden in den Follikeln vermehrt Östrogene gebildet. Deshalb ist in dieser Zyklusphase der Östrogenspiegel vergleichsweise hoch. Die Östrogene sorgen dafür, dass der Schleim in der Gebärmutter immer flüssiger wird. So ist gewährleistet, dass die Spermien zur fruchtbaren Zeit optimale Bedingungen vorfinden. Der hohe Östrogenspiegel führt zudem über einen Rückkopplungsmechanismus zur Freisetzung des sogenannten Luteinisierenden Hormons (LH). Der Östrogenspiegel fällt wieder ab. LH löst um den 14. Zyklustag herum (bei einer Zykluslänge von 28 Tagen) den Eisprung aus.

Die Ovulationsphase

Auf eine LH-Spitze folgt rund 24 Stunden später der Eisprung. Der Follikel entleert sich und stößt die Eizelle aus dem Eierstock heraus. Anschließend wird das Ei vom Eileiter aufgenommen. Durch den Eileiter wird die Eizelle in Richtung Gebärmutter transportiert. Gleichzeitig öffnet sich der Muttermund ein Stück, sodass die Spermien über die Gebärmutter zur Eizelle gelangen können. Die Eizelle ist nach dem Eisprung für 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Findet innerhalb dieser Zeit keine Befruchtung statt, stirbt die Eizelle ab.

Gelbkörperphase / Lutealphase

Mit dem Eisprung beginnt die zweite Zyklushälfte und damit auch die Lutealphase. Bei einem 28-tägigen Zyklus dauert diese Phase ungefähr 14 Tage. Aus den Resten des Follikels im Eierstock entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum). Dieser produziert kleinere Mengen Östrogen und in zunehmendem Ausmaß Progesteron. Deshalb wird das Hormon Progesteron auch als Gelbkörperhormon bezeichnet. Mithilfe des Progesterons bereitet sich die Gebärmutter auf eine Einnistung einer befruchteten Eizelle und damit auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

Kommt es zu keiner Schwangerschaft, schrumpft der Gelbkörper etwa 9 Tage nach dem Eisprung und wandelt sich narbig um. Die Progesteronproduktion nimmt ab, sodass sich die oberen Schleimhautschichten der Gebärmutter lösen und es zur Regelblutung kommt. Der Zyklus beginnt von vorn.

Wenn das Ei hingegen befruchtet wurde, kommt es unter dem Einfluss des Corpus luteum zu einer Einnistung. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels übernimmt der Gelbkörper die Progesteronproduktion, bis er später von der Plazenta (Mutterkuchen) in seiner Funktion abgelöst wird. Progesteron ist für den Erhalt der Schwangerschaft von großer Bedeutung.

In allen diesen Phasen kann es zu Störungen kommen. So können Follikel unzureichend ausreifen, der Eisprung kann ausbleiben oder die Progesteronproduktion ist zu niedrig, sodass eine eventuell eingetretene Schwangerschaft nicht aufrechterhalten werden kann. Es macht also Sinn genau hinzuschauen, wo es hakt und die Behandlung dementsprechend darauf abzustimmen.

Da die Zykluslängen bei Frauen zum Teil sehr unterschiedlich sind, kann diese Tabelle helfen, die einzelnen Phasen zu unterscheiden. So können Sie schauen, wie lange die Phasen andauern und an welchen Tagen ungefähr mit einem Eisprung zu rechnen ist.

Zykluslänge 26 Tage 27 Tage 28 Tage 29 Tage 30 Tage 31 Tage
Erste Zyklushälfte 1. bis 10. Tag 1. bis 11. Tag 1. bis 12. Tag 1. bis 13. Tag 1. bis 14. Tag 1. bis 15. Tag
Zyklusmitte / Eisprung (Eisprung) 11. bis 12. Tag 12. bis 13. Tag 13. bis 14. Tag 14. bis 15. Tag 15. bis 16. Tag 16. bis 17. Tag
Zweite Zyklushälfte 13. bis 26. Tag 14. bis 27. Tag 15. bis 28. Tag 16. bis 29. Tag 17. bis 30. Tag 18. bis 31. Tag

Grundlagen – Spermienproduktion und Spermienfunktion

Zum Kinderkriegen gehören natürlich immer zwei Menschen. Deshalb wollen wir nicht nur einen Blick auf die weiblichen, sondern auch auf die männlichen körperlichen Voraussetzungen werfen.

SpermienVielleicht wird es Sie verblüffen, dass bei der Produktion der Spermien unter anderem dieselben Hormone tätig sind wie bei der Eizellreifung Frau. Die Entwicklung der Spermien findet in den Hoden statt. Bis zur vollständigen Reife verbleiben die Spermien dort. Dieser Vorgang dauert rund 72 Tage. Die fertigen Spermien gelangen dann in den Nebenhoden, wo sie vorerst gespeichert werden. Für ihre Entwicklung benötigen die Spermien zum einen Testosteron und zum anderen das uns bereits bekannte FSH.

Die Spermienbildung funktioniert nur bei Temperaturen, die unterhalb der normalen Körpertemperatur liegen. Bei einer zu hohen Temperatur wird die Bildung gehemmt oder es kommt sogar zu einer Zerstörung der Spermien. Niedrige Temperaturen können die Spermienproduktion ebenfalls negativ beeinträchtigen.

Bei sexueller Erregung werden die Spermien aus dem Nebenhoden über den Samenleiter in Richtung Harnröhre befördert. Hier werden die Samenzellen mit den Drüsensekreten aus den Samenbläschen und der Prostata vermischt. Die Samenflüssigkeit ist basisch, reich an Fruktose und verschiedenen anderen Substanzen. Die Samenflüssigkeit dient den Spermien als Energiespender und fördert zudem die Beweglichkeit der kleinen Schwimmer. Beim Samenerguss kommt es zu einem Druckanstieg in der Prostata und in der Harnröhre und in der Folge zu dem schubweisen Ausstoß des Spermas.

Pro Samenerguss werden zwei bis sechs Milliliter Ejakulat ausgestoßen. Ebenso wie bei der Frau gibt es auch beim Mann unterschiedliche Punkte, an denen eine Schwangerschaft scheitern kann. Eine Rolle spielen die Anzahl der Spermazellen, ihre Beweglichkeit, die Anzahl der normalen Spermazellen und auch die Qualität der Samenflüssigkeit. Es ist wichtig zu wissen, dass die Qualität des Spermas bei ein und demselben Mann stark schwanken kann. Man kann sagen, dass das Sperma eine Art Tagesform hat, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Auch hier lohnt es sich, in der Behandlung näher hinzuschauen. Ein schlechtes Spermatogramm ist keineswegs ein Todesurteil für eine gewünschte Schwangerschaft.

Dem Sperma und dem Spermatogramm widmet sich übrigens ein weiterer (geplanter) Teil der Artikelserie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“

Grundlagen – der entscheidende Punkt: die Befruchtung

Die Befruchtung ist der magische Moment, in dem die Samenzelle in die Eizelle eindringt Befruchtungund mit ihr verschmilzt. Die Voraussetzungen dafür haben wir bereits kennengelernt: eine befruchtungsfähige Eizelle und Spermien. Doch wie werden beide zusammengeführt? Die Samenzellen werden beim Orgasmus bzw. bei der Ejakulation des Mannes aus dem Penis in die Scheide geschleudert. Von dort machen sich die tapferen Schwimmer auf den Weg in Richtung Gebärmutter und Eileiter. Der Weg wird den Spermien durch den flüssigen Vaginalschleim erleichtert. Auch der Proviant, die Samenflüssigkeit, unterstützt die Spermien. Die Spermien passieren den Gebärmutterhals und gelangen in die Gebärmutter.

Im Eileiter bahnen sich die Samenzellen durch die Flimmerhärchen hindurch ihren Weg zur Eizelle. Nicht alle Samenzellen überstehen diesen anstrengenden Weg. Die Spermien, die es geschafft haben, müssen sich dann noch durch die Hülle der Eizelle bohren. Wenn sie es geschafft haben, landen sie in einem mit Flüssigkeit gefüllten Zwischenraum. Die Befruchtung kann erst dann stattfinden, wenn es eine Samenzelle in das Zellplasma des Zellkerns geschafft hat. Sobald Eizelle und Samenzelle miteinander verschmolzen sind, ändert sich die chemische Zusammensetzung der Eizelle, sodass das Eindringen weiterer Spermien verhindert wird. Die befruchtete Eizelle teilt sich nach einiger Zeit alle paar Stunden und wandert dann in die Gebärmutter. Nicht alle Eizellen schaffen den Weg vom Eileiter in die Gebärmutter. Wenn sie scheitern, entwickelt sich eine Eileiterschwangerschaft. Hat die Eizelle hingegen den Weg überstanden, kann die Einnistung stattfinden.

 

Ich hoffe, Sie haben nun einen Überblick über die vielen kleinen Wunder, die dann schlussendlich zu dem einen, heiß ersehnten Wunder führen, erhalten. Im nächsten Teil kümmern wir uns um die Ursachen, die einem unerfüllten Kinderwunsch zugrunde liegen können. Das Feld möglicher Ursachen ist groß. Organstörungen, Hormone, Lebensstil, toxische Belastungen – all das kann eine Rolle spielen und all das werden wir uns demnächst genauer ansehen.

Die anderen Artikel der Serie „Unerfüllter Kinderwunsch – was nun?“ finden Sie hier:

Teil 1: Grundlagen

Teil 2: Körperliche Ursachen

Teil 3: Toxische Umwelteinflüsse

Teil 4: Unfruchtbar durch Über- oder Untergewicht

Teil 5: Die Diagnose

Wenn Sie eine persönliche Beratung zum Thema (unerfüllter) Kinderwunsch wünschen, können Sie mich gerne unter kontakt@schumann-naturheilpraxis.de kontaktieren oder mir eine Nachricht schreiben .Ich freue mich auf Sie. Beratungen sind in meiner Praxis in Herdecke (in der Nähe von Dortmund), per E-Mail oder online per Skype möglich.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.